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Arbeit im Büro gesund gestalten

Damit man im Urlaub nicht krank wird

Das Freizeit-Krankheits-Syndrom

Abschalten, ausspannen, auftanken: Das klingt nach einem guten Urlaub. Leider gelingt das längst nicht allen Berufstätigen. Nach einer DAK-Studie vom vergangenen Jahr werden viele ihren Arbeitsstress nicht los: Demnach hat sich im Urlaub jeder fünfte Arbeitnehmer zwischen 30 und 44 Jahren nur wenig oder gar nicht erholt. Und sieben Prozent der Urlauber waren krank oder verletzt.

Wenn nicht etwa Verletzungen, Stürze oder Sonnenbrände die Ursache sind, sondern psychosomatische Gründe vorliegen, sprechen Psychologen von dem "Leisure-Sickness-Syndrom"; zu deutsch "Freizeit-Krankheits-Syndrom". Zuerst hatten niederländische Forscher dieses Phänomen beschrieben. Dabei machen den Betroffenen etwa Einschlafprobleme, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Fieber zu schaffen - im Urlaub oder am Wochenende.

Vor allem Menschen, die ständig hochtourig arbeiten, volle Leistung bringen und nach Feierabend nicht abschalten können, sind davon betroffen. "Wenn man unter Dauerstress steht, ist der Adrenalinspiegel hoch, man funktioniert. Das geht auch eine Weile gut, doch der Mensch ist nicht auf dauerhaften Stress angelegt", erklärt Andrea Lohmann-Haislah, Arbeitspsychologin bei der Dortmunder Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin gegenüber dem WDR. "Sobald man im Urlaub zur Ruhe kommt, will sich auch das Immunsystem erholen und fährt herunter. Das bedeutet, Viren und Bakterien haben freie Bahn. Man schwächelt und wird infektanfällig."

Alles auf eine Karte zu setzen und im Urlaub auf Tiefenentspannung zu hoffen, geht deshalb allzu oft schief. Entspannung sollte früher beginnen: im Arbeitsalltag. Mit regelmäßigen Pausen zum Beispiel. Die werden viel zu oft ignoriert. So lassen nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 26 Prozent aller Beschäftigten ihre Pausen ausfallen. Dabei sind es vor allem jene, die Erholung am nötigsten hätten: jene, die sowieso lange arbeiten und noch Überstunden machen. "Wahrscheinlich steckt dahinter die Überzeugung, dass man eine Extra-Schippe mehr schafft, wenn man durcharbeitet. Was nicht stimmt", erklärt der Organisationspsychologe Rainer Wieland von der Bergischen Universität Wuppertal. "Die Leistung wird erst besser, wenn man Pausen macht. Mehrere kurze Pausen. Studien haben gezeigt, dass der Erholungseffekt in den ersten zehn, zwölf Minuten am höchsten ist. Das steigert die Leistung", so Wieland.

Außerdem ist es wichtig, im Alltag vom Job abschalten zu können. "Wer schlecht abschalten kann, erholt sich nicht gut", weiß die Arbeitspsychologin Lohmann-Haislah. Doch die eine richtige Strategie dafür gibt es nicht. Für den einen kann das ein Hobby wie Singen sein, für den anderen Sport, der beim Abbau von Stresshormonen hilft. Die Hauptsache ist: Der Ausgleich macht Spaß. "Man könnte zum Beispiel auch einen Urlaub dazu nutzen, Entspannungstechniken wie Yoga oder progressive Muskelentspannung zu lernen und diese dann im Alltag einsetzen", rät Wieland.

Sollte aber wirklich der Worst Case eintreten und man erkrankt im Urlaub, gibt es ein kleines Trostpflaster: Diese Tage verfallen nicht, man kann sie später nachholen. Dafür ist jedoch eine offizielle Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nötig, die auch ein Arzt im Ausland ausstellen kann. Wer kurz vor dem Urlaub krank wird, sollte sofort zum Arzt gehen, damit die Krankheitstage angerechnet werden. Ein Krankgeschriebener muss nicht zwangsläufig im Bett liegen oder nur zu Hause bleiben. Das hängt ganz von der Erkrankung ab. In manchen Fällen darf man sogar verreisen. Dazu ist jedoch eine schriftliche Bescheinigung vom Arzt nötig, die bestätigt, dass medizinisch nichts dagegen spricht und die Reise der Genesung nicht schadet.

Ob man zufrieden ist mit seinem Urlaub, hängt sehr davon ab, ob jeder seinen Interessen nachgehen kann und ob es gelingt, Abstand vom Job zu gewinnen. Dabei kann es hilfreich sein, nicht ständig per Handy oder Mail für Vorgesetzte und Kollegen erreichbar zu sein. Man darf auch über den Job nachdenken, aber nicht schon darüber grübeln, was erledigt werden muss, wenn man zurückkommt.

Quelle: WDR

 

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