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Arbeit im Büro gesund gestalten

100 Millionen Fehltage wegen psychischer Leiden

Lange Arbeitszeiten, Schichtarbeit, ständige Erreichbarkeit, Zeit- und Leistungsdruck sind Risikofaktoren für Wohlbefinden und Gesundheit

Psychische Erkrankungen wie ein Burnout oder eine Depression sind bereits der zweithäufigste Grund, warum Arbeitnehmer/innen von einem Arzt krankgeschrieben werden. Auf dem ersten Platz der arbeitsbedingten Erkrankungen stehen nach wie vor Probleme an den Muskeln oder am Skelett (vor allem Rückenleiden). Seelische Leiden sind auch mit Abstand die häufigste Ursache für verminderte oder verlorene Erwerbstätigkeit. Jemand muss öfter die Rente wegen einer psychischen Erkrankung antreten als wegen Krebs oder Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems.

Steigende arbeitsbedingte Belastungen würden »zur Zunahme psychischer Störungen, aber auch zu Muskel-Skelett-Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit teilweiser langer Krankheitsdauer beitragen«, heißt es in dem Bericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Die Gründe für die häufigen Fehltage sieht die BAuA unter anderem in zu viel Arbeit, die in zu kurzer Zeit erledigt werden soll. Auch lange und überlange Arbeitszeiten von 48 Stunden und mehr pro Woche stehen in Zusammenhang mit mehr gesundheitlichen Beschwerden, Überforderung und mit häufigem Pausenausfall. Nicht nur lange Arbeitszeiten, sondern auch Schichtarbeit – insbesondere verbunden mit Nachtarbeit – und flexible, nicht vorhersehbare Arbeitszeiten - können zu Belastungen führen. Zudem ist die Arbeitswelt oft durch großen Zeitdruck, starke Arbeitsintensität und hohes Arbeitstempo gekennzeichnet. Termin- oder Leistungsdruck, sehr schnelles Arbeiten, Multitasking sowie häufige Unterbrechungen und Störungen bei der Arbeit haben negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. Starken Termin- oder Leistungsdruck erfährt heute knapp die Hälfte der Beschäftigten häufig. Im Gegensatz dazu berichten Beschäftigte, die über einen gewissen selbstbestimmten Einfluss auf die Arbeitsorganisation – beispielsweise im Hinblick auf Arbeitszeit und -ort – verfügen, über einen besseren Gesundheitsstatus und ein niedrigeres Erholungsbedürfnis. Ein weiteres Problem, das im Bericht angesprochen wird, ist die Erreichbarkeit: Immer mehr Beschäftigte haben das Gefühl, auch außerhalb ihrer Arbeitszeit für arbeitsbezogene Belange erreichbar sein zu müssen. Eine nahezu flächendeckende Verbreitung digitaler Kommunikationstechnologien (Handy, Smartphone, Tablet etc.) ermöglicht diesen Trend. Die Beantwortung beruflicher E-Mails, die Vorbereitung des nächsten Arbeitstages oder aber Telefonate mit Vorgesetzten nach Feierabend sind typische Beispiele für ständige Erreichbarkeit in der öffentlichen Debatte. Diese Verfügbarkeit für Arbeitsbelange außerhalb der regulären Arbeitszeit wird dabei als arbeitsbezogene erweiterte Erreichbarkeit bezeichnet. Erste wissenschaftliche Erkenntnisse, so der Bericht, weisen dabei auf Risiken für Wohlbefinden und Gesundheit hin. Jede Inanspruchnahme nach Feierabend stellt eine Unterbrechung der täglichen Ruhezeit dar und muss dementsprechend zu einer erneuten Gewährung der vollständigen Ruhezeit von 11 Stunden bis zum nächsten Arbeitseinsatz führen.

Der Bericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin »Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit« (Berichtsjahr 2017) kann kostenlos heruntergeladen werden.

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