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Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Kosten und Nutzen der Partizipation im Unternehmen

Autor: Regine Rundnagel, Anita Liebholz

Wenn MitarbeiterInnen an der Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen beteiligt werden, ist das eine Investition in die Zukunft, denn ihre Zufriedenheit steigt. Fluktuation kann abnehmen. Kosten für Rekrutierung und Qualifizierung von Personal lassen sich sparen.
   
Die direkten Kosten für Partizipationsmaßnahmen kommen durch die dafür anfallende Zeit für Information, Workshops, Befragungen oder Teambesprechungen zustande. Dem entgegen stehen kurzfristig Einsparungen bei den Neubeschaffungen und Nachbesserungen aufgrund von Fehlentscheidungen. Fehlentscheidungen liegen auch dann vor, wenn Arbeitsmittel nicht benutzerfreundlich oder Arbeitsabläufe ineffizient und unergonomisch gestaltet sind.
   
Arbeitsbedingungen, die unter Einbeziehung der Erfahrungen und Bedürfnisse der Beschäftigten gestaltet werden, bieten die Chance auf einen humanen und ergonomischen Arbeitsplatz. Akzeptanz wird geschaffen. Solche Arbeitsbedingungen bewirken mittelfristig weniger Befindlichkeitsstörungen bei den Mitarbeiter/-innen, einen geringeren Krankenstand und weniger Fehler oder Qualitätsmängel bei der Arbeit. Dies senkt die Kosten für die Lohnfortzahlung, Fehlerbeseitigung und Qualitätsverbesserung und ist insofern kostenwirksam. Gleichzeitig steigt die Produktivität, da die Kapazität der MitarbeiterInnen nicht durch Zeiten für Nacharbeit gebunden wird und sie weniger häufig krankheitsbedingt fehlen.
   
Die ergonomische Qualität bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes und der Arbeitsmittel wird durch informierte und qualifizierte Beteiligte und die Kooperation mit Arbeitsschutzexperten, der Fachkraft für Arbeitssicherheit und dem Betriebsarzt/Betriebsärztin, gesichert. Damit ist bei der Auswahl z. B.  von Headsets, Bildschirmen, EDV-Programmen, der Gestaltung von Lärmschutz, der Möblierung und der Lösung organisatorischer Fragestellungen eine Optimierung aller betrieblichen Bedingungen möglich. Erfahrungen der Betroffenen aus der täglichen Arbeitspraxis, Fachwissen der Experten/Expertinnen und ökonomische Rahmenbedingungen können abgestimmt werden.
   
Partizipation der Beschäftigten bei der Gestaltung der Qualifizierung, der Arbeitsinhalte und -abläufe, der Arbeitszeit und den Prozessen der Organisations- und Personalentwicklung schafft Handlungsspielräume, Abwechslung und mehr Selbststeuerungsfähigkeit für die MitarbeiterInnen. Damit erhöht sich auch ihre Kompetenz. Dies bewirkt auch eine größere Innovationskraft des Unternehmens.

Bild 1: Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen.

Die Bilanz von Kosten und Nutzen ist unter traditionellen betriebswirtschaftlichen Maßgaben nicht einfach „errechenbar“. Es bedarf einer erweiterten und ganzheitlichen Betrachtung und der Berücksichtigung aller Faktoren, der quantifizierbaren ebenso wie der qualitativ erfassbaren, der kurzfristig und langfristig, der direkt und der indirekt wirksamen Faktoren.

 

Der Servicebereich

Literatur  

Zum Einlesen:

Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (Hrsg.):
Im Dialog gewinnen: qualifizieren – beteiligen – gestalten. 
Die Schrift liefert Anreize, das Thema "Partizipation" im Call Center aktiv aufzugreifen und im Unternehmen zu verankern. Die Chancen eines Partizipationsprozesses im Call Center werden skizziert, die Zusammenhänge von Partizipation, Arbeitszufriedenheit und Gesundheit beleuchtet.
Infomodul im Projekt CCall,  als download bei www.vbg.de  unter service/downloads zu finden

Zum Vertiefen:

Glißmann, Wilfried/Peters, Klaus:
Mehr Druck durch mehr Freiheit. Die neue Autonomie in der Arbeit und ihre paradoxen Folgen,
Hamburg 2001  

Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung GmbH ZEW:
Betriebsräte erhöhen die Effektivität von Mitarbeiterbeteiligung.
in: ZEW news September 2003 bei www.zew.de und Discussion Paper No. 03-47, Thomas Zwick „Works Councils and the Productivity Impact of Direct Employee Participation, hrsg. von ZEW, Mannheim 2003

Verwandte Themen   

Projektverbund CCall

Das Dokument „Grundwissen Partizipation“ entstand im Rahmen der Arbeit im Projekt der Arbeitsgemeinschaft Partizipation: „Erfolgsfaktor Partizipation für mehr Arbeitszufriedenheit und Gesundheit“. Gefördert von der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft und dem damaligen Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung innerhalb des Projektverbundes „CCall – erfolgreich und gesund arbeiten im Call Center“.

Internetadresse: www.ccall.de

Autoren: Arbeitsgemeinschaft Partizipation   

Technologieberatungsstelle beim DGB Landesbezirk Hessen (TBS Hessen), Offenbach: Regine Rundnagel und Anita Liebholz
IQ Consult, Düsseldorf: Sabine Riechel
Technologieberatungsstelle beim DGB Landesbezirk NRW (TBS NRW), Oberhausen: Regine Romahn
bao - Büro für Arbeits- und Organisationspsychologie GmbH, Berlin: Andrea Lohmann und Prof. Dr. Jochen Prümper

 

 

Letzte Änderung: 31.10.2003

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