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Expertenwissen
Schritte zu mehr Partizipation im Betrieb

Autor: Regine Rundnagel, Anita Liebholz

Unternehmen, die partizipative Strukturen entwickeln wollen, benötigen ein Konzept für ihr Vorgehen. Es muss die betrieblichen Bedingungen berücksichtigen und in Handlungen umsetzen. Dabei sind sieben Schritte notwendig.

1. Schritt: Schaffung des Umfelds

  • Die Rahmenbedingungen für eine erfolgversprechende Mitarbeiterbeteiligung müssen von der Unternehmensleitung geschaffen werden. Dazu gehört in erster Linie eine grundsätzliche Entscheidung, Partizipation verstärkt zum Bestandteil der Unternehmenskultur werden zu lassen und die Festlegung der damit verbundenen Ziele (z. B. in Form eines Leitbildes).   

Vor dem Hintergrund der Mitbestimmungsrechte (§ 87 BetrVG) und der Option, Gestaltungsrechte an Mitarbeiter/-innen zu übertragen (§ 28a BetrVG), empfiehlt es sich, den Betriebsrat, sofern vorhanden, in diesen Prozess einzubeziehen. Das ist nicht nur aus rechtlichen Erwägungen wichtig, sondern auch zur Schaffung von Akzeptanz und einer gesicherten Ausgangslage für alle Beteiligten. Deshalb sollten auch die Absprachen schriftlich fixiert werden, z. B. in einer Betriebsvereinbarung. 

Klarheit sollte auch in Hinblick darauf bestehen, bei welchen inhaltlichen Fragen eine Beteiligung der Mitarbeiter/-innen angestrebt wird: Geht es um ganze Themenblöcke oder nur um die Klärung bestimmter Einzelaspekte. Diese könnten sein:

  • Beteiligung bei der innerbetrieblichen Entwicklung von Software
  • Beteiligun bei der Beschaffung - innerhalb eines festgelegten Kostenbudgets oder bei der Erstellung von qualitativen Anforderungen
  • Beteiligung bei Organisationsentwicklungsmaßnahmen - an der Entwicklung des Leitbildes, an der Verbesserung von Prozessen 
  • Beteiligung an der Entwicklung eines Arbeitszeitsystems
  • Beteiligung an der Einrichtung neuer Büroräume oder der Erstellung eines Bürokonzepts 

Kriterien für die Themenauswahl könnten z. B. sein: Bedeutung für die Produktivität,  Häufigkeit und Komplexität der zu bearbeitenden Aufgabe oder die Auswirkung auf die Kundenzufriedenheit.

Hilfestellung dazu bietet unter anderem der Fragebogen. Damit lassen sich Prioritäten setzen. Dies ist auch mit Workshops möglich, in denen z. B. der Bedarf und die Dringlichkeit von Verbesserungs- und Entwicklungsmaßnahmen oder Beschaffungen erarbeitet wird.

Wichtig ist zudem eine Festlegung, in welchem Ausmaß die Mitarbeiter/-innen eingebunden werden sollen. Dazu müssen Verfahrensregelungen vereinbart werden, z. B. inwieweit Konsens erreicht werden soll und wie es im Konfliktfall aussieht.

Ebenso sind die Formen der Partizipation von Bedeutung. Wenn es regelmäßig Team- oder Abteilungsbesprechungen gibt, dann können Themen wie die konkrete Gestaltung einzelner Arbeitsabläufe auf die Tagesordnung gesetzt werden und gemeinsam Entscheidungen vorbereitet oder durchgeführt werden. Bestimmte Aspekte lassen sich durch kleine Projektaufträge an Beschäftigte detaillierter bearbeiten.

Geeignet sind auch Gesundheits- oder Qualitätszirkel. Günstig ist es, jeweils Methoden zu nutzen, zu denen bereits Erfahrungen im Betrieb vorliegen.

Dabei sollte die Notwendigkeit einkalkuliert werden, die eingesetzten Instrumente über einen angemessenen Zeitraum zu erproben und zu verbessern.

Als Letztes spielt eine Rolle, wann eine Einbindung der Mitarbeiter/-innen erfolgt. Diese ist abhängig von der Dringlichkeit der jeweiligen Entscheidung bzw. von der Frage, inwieweit es gelingt, den notwendigen Zeitrahmen dafür zu schaffen.

 z. B. Softwareentwicklung: Werden die AnwenderInnen bereits zum Zeit­punkt der Festlegung der Anforderungen an ein Programm einbezogen, werden sie bei den Tests beteiligt oder werden sie erst am Ende der Kette mit dem fertigen Produkt konfrontiert. Empfehlenswert ist das frühzeitige Einbeziehen.

2. Schritt: Den Rahmen für geplante Maßnahmen festlegen   

  • Der Zeit- und Kostenrahmen muss geklärt werden und dabei sind qualitative Anforderungen zu beachten.

3. Schritt: Bewertungskriterien ermitteln

  • Zur Entscheidungsfindung bei z. B. Beschaffungen oder anderen Maßnahmen bedarf es geeigneter Bewertungskriterien.

Bei der Festlegung von Bewertungskriterien ist es besonders wichtig, alle Betroffenen einzubeziehen. Anforderungen der Arbeitsschützer, der Führungskräfte, der Mitarbeiter/-innen und ggf. des Betriebsrats können so rechtzeitig einfließen. Damit lassen sich Fehlentscheidungen und daraus resultierende Folgekosten (Kosten wegen Neuanschaffungen, Kundenbeschwerden, Krankheitskosten etc.) vermeiden.

4. Schritt: Produkt auswählen, Maßnahmen festlegen

  • Aufgrund der festgelegten Kriterien werden geeignete Produkte ermittelt bzw. Maßnahmen festgelegt.

5. Schritt: Tests durchführen

  • Da es bei vielen Themen (z. B. Beschaffung Headsets, Software, Arbeitstisch, Stuhl, Rollos, Lampen usw.) nicht auf allgemein gültige Standards ankommt, sondern auch darauf, wie die Produkte individuell wahrgenommen werden und in der Praxis funktionieren, empfiehlt sich ein Test. Je nach Produkt reicht das von einem Ausprobieren z. B. eines Stuhls bis hin zu ausgefeilteren Testverfahren z. B. bei der Entwicklung von Software

6. Schritt: Entscheiden

  • Nach der Durchführung der Tests sollte eine endgültige Entscheidung getroffen werden. Diese muss sowohl Kostengesichtspunkte und Funktionalitätsaspekte als auch die Ergonomie in Einklang bringen.

7. Schritt: In der Praxis überprüfen

  • Auch bei sorgfältigster Vorbereitung kann man nicht ausschließen, dass sich in der Folge weitere Veränderungen als sinnvoll erweisen. Bei neu eingesetzter Software dürfte es sogar die Regel sein, dass sich aus der praktischen Nutzung Verbesserungsvorschläge ergeben. Dies gilt auch für die Gestaltung von Arbeitsabläufen.

 

Der Servicebereich

Rechtsgrundlagen und Normen 

Gesetze und Verordnungen
  • Arbeitsschutzgesetz (ArbschG)
    • § 17 Rechte der Beschäftigten
  • Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG)
    • § 28a Übertragung von Aufgaben
    • § 87  Mitbestimmungsrechte

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Projektverbund CCall

Das Dokument „Grundwissen Partizipation“ entstand im Rahmen der Arbeit im Projekt der Arbeitsgemeinschaft Partizipation: „Erfolgsfaktor Partizipation für mehr Arbeitszufriedenheit und Gesundheit“. Gefördert von der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft und dem damaligen Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung innerhalb des Projektverbundes „CCall – erfolgreich und gesund arbeiten im Call Center“.

Internetadresse: www.ccall.de

Autoren: Arbeitsgemeinschaft Partizipation   

Technologieberatungsstelle beim DGB Landesbezirk Hessen (TBS Hessen), Offenbach: Regine Rundnagel und Anita Liebholz
IQ Consult, Düsseldorf: Sabine Riechel
Technologieberatungsstelle beim DGB Landesbezirk NRW (TBS NRW), Oberhausen: Regine Romahn
bao - Büro für Arbeits- und Organisationspsychologie GmbH, Berlin: Andrea Lohmann und Prof. Dr. Jochen Prümper

 

Letzte Änderung: 31.10.2003

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