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Arbeit im Büro gesund gestalten

Checkliste
Checkliste ergonomischer Schichtplan nach arbeitswissenschaftlichen Empfehlungen

Autorin: Andrea Fergen, Michaela Böhm

Die Checkliste beinhaltet die arbeitswissenschaftlichen Empfehlungen für eine gute Schichtplangestaltung. Nicht alle Anforderungen lassen sich gleichzeitig verwirklichen. Die Interessen der Beschäftigten und des Betriebes sollten hier miteinander abgewogen werden.

Drei grundlegenden Ziele sind bei der Gestaltung eines ergonomischen Schichtplans zu beachten:

1. Minimierung der Arbeitszeit nachts.

2. Sicherung ausreichender Erholzeit/Schlafzeit.

3. Sicherung sozial wertvoller Freizeit.

 

 

Anforderung Ziel arbeitswissenschaftliche Erklärung OK?
Die Zahl der aufeinander folgenden Nachtschichten sollte möglichst klein sein. 1 - 3
Nach einer ganzen Nachtschichtwoche werden drei bis vier Tage zur Umstellung des biologischen Rhythmus benötigt. Die geringsten Probleme hat jemand mit seiner inneren Uhr bei einzelnen Nachtschichten. Wenige Nachtschichten begrenzen die Anhäufung des Schlafdefizits.

Auch Früh- und Spätschichten sollten schnell rotieren. 1 - 3
Kommt den sozialen Bedürfnissen entgegen. So wird verhindert, dass ganz­wöchige Früh- oder Spätschichten das soziales Leben am Abend für einen längeren Zeitraum unterbinden. Kürzere Schichtblöcke bzw. Wechsel wirken zudem dem Aufbau großer Schlafdefizite entgegen.

Die Anhäufung von Arbeitstagen hintereinander sollte vermieden werden. max. 5 Arbeitstage
Damit lässt sich die Ermüdung begrenzen.

Nachtschichten sollten möglichst früh enden. zwischen 5 und 6 Uhr
Der Organismus hat die Tendenz, den Tagesschlaf um die Mittagszeit zu beenden. Ist die Nachtschicht erst um 7 Uhr zu Ende, ist das Schlafdefizit programmiert. Deshalb ist es besser, die Nachtschicht früh zu beenden, damit der Schlaf nicht zu kurz kommt.

Nach einer Nachtschichtphase sollte eine möglichst lange Ruhephase folgen. 24- 48 Std.
Nach einer Nachtschicht sollte jemand einen Tag Auszeit haben, nach zwei bis drei Nachtschichten möglichst zwei Tage. Das ermöglicht den Abbau von Schlafdefiziten, ausreichende Erholung und einen zusammenhängenden Freizeitblock.

Der Vorwärtswechsel sollte bevorzugt werden. Früh-Spät-Nacht
Früh-Spät-Nacht – das ist ein Rhythmus, der dem Organismus entgegenkommt. Die Vorwärtsrotation bewirkt, dass jemand mehr vom Tag hat als durch die Rückwärtsrotation (Nacht-Spät-Früh). Beispiel: Wenn beim Wechsel von Früh auf Früh die Arbeitspause 16 Stunden beträgt, so ist sie beim Wechsel von Früh auf Spät schon 24 Stunden lang (Vorwärtswechsel). Bei der Rückwärtsrotation beträgt die Arbeitspause beim Wechsel von Spät auf Früh dagegen lediglich acht Stunden.

Keine verbotene Schichtfolgen wie Nacht-Früh, Spät-Früh, Nacht-Spät.
Das verkürzt die Ruhezeiten! Die gesetzliche Mindestruhezeit beträgt 11 Stunden zwischen den Arbeitsschichten.

Die Zahl der aufeinander folgenden Frühschichten sollte möglichst klein sein. max. 3
Die Zahl der aufeinander folgenden Frühschichten sollte nicht größer als drei sein, da der Schlaf bei Frühschichten meist recht kurz ist (Anfahrtzeiten!) und es so zu einem größeren Schlafdefizit kommt. Die Empfehlung, früher ins Bett zu gehen, ist für Schichtarbeiter oft nicht umsetzbar. Es gelingt ihnen selten, früher einzuschlafen. Das soziale Leben steht dem entgegen.

Die Frühschicht sollte nicht zu früh beginnen. nicht vor 6 Uhr
Sehr frühe Schichten erhöhen Wegeunfälle, Verspätungen und bringen verringerte Wachheit mit sich. Je später die Frühschicht beginnt, desto geringer ist das Schlafdefizit.

Die Spätschicht sollte nicht zu spät enden. max. bis 22 Uhr
Damit wird den sozialen Bedürfnissen entgegengekommen. Am Wochenende sollte die Spätschicht früher – um 18 Uhr – enden.

Mindestens ein freier Abend pro Woche zwischen Montag und Freitag . mind. 1 Abend frei
Schichtarbeiter sollten zwischen Montag und Freitag mindestens einen freien Abend haben, um an familiärem und sozialem Leben teilnehmen zu können.

Die Schichtdauer sollte abhängig sein von der körperlichen und psychischen Schwere der Arbeit.
Die Arbeit in der Nacht ist allein schon eine hohe Belastung. Oft kommen noch schwierige Arbeitsbedingungen hinzu: in der Produktion sind das z.B. schwere körperliche Arbeit und Lärm oder konzentrierte Überwachungstätigkeiten; in Dienstleistungsbereichen psychische Anforderungen wie z.B. hohe Verantwortung durch allein arbeiten. Grund genug, dass die Nachtschicht kürzer sein sollte als andere Schichten.

Überlange Arbeitszeiten  vermeiden. max. 8 Std.
Arbeitszeiten über 8 Stunden sollten die Ausnahme sein. Alles was darüber hinausgeht, führt zu überdurchschnittlicher Ermüdung. Auch das Risiko von Unfällen steigt, z.B. auf dem Nachhausweg.

 

Schichtarbeiter/-innen sollten kürzere Arbeitszeiten haben als Tagarbeiter/-innen.
Die Mehrbelastung durch Schichtarbeit sollte mit kürzerer Arbeitszeit ausgeglichen werden. Ergonomisch sinnvoll wäre, Nachtarbeitszuschläge in freie Zeit umzuwandeln.

Geblockte Wochenendfreizeiten sind besser als einzelne freie Tage an Wochenenden.

Zusammenhängende freie Tage am Wochenende machen es eher möglich, an gemeinsamen sozialen Aktivitäten teilzunehmen. Und dies ermöglicht besser ausreichende Erholung.

Überschaubarkeit ist wichtig. Max. 12 Wochen
Das macht das soziale Leben planbarer.

Kurzfristige Schichtplanänderungen sind zu vermeiden, Überstunden ebenso.

Freizeitaktivitäten zu planen ist für Schichtarbeiter schwierig genug. Ein Schichtplan sollte übersichtlich und vorausschauend sein und nicht in letzter Minute noch geändert werden. Spielregeln können Vorankündigungsfristen und Ausgleichsverfahren regeln.

Flexibel ist besser als starr.
Es ist besser, auf individuelle Vorlieben (lange Anfahrtswege, Kindergartenzeiten etc.) einzugehen als auf starren Anfangszeiten zu beharren. Auch Schichttausch oder Freischichtkonten bieten sich an. Wahlmöglichkeiten zwischen Schichtmodellen verbessern die Vereinbarkeit von Beruf und individuellen sozialen Interessen.
      

  

 

 

Letzte Änderung: 14.3.2008

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Literaturtipp
  • IG Metall (Hrsg.): Gute Arbeit im Schichtbetrieb? So werden Schichtpläne besser.
    Frankfurt 2006, zu bestellen bei www.igmetall.de/gutearbeit
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