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Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Farben

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht

  • Farben bestimmen im Raum das Wohlbefinden.
  • Bei der Raumgestaltung und für das Mobiliar sind helle Farben zu bevorzugen.
  • Auch am Bildschirm gilt: Farben generell sparsam verwenden.
  • Farben eignen sich, um Informationen zu verdeutlichen und Handlungen zu steuern. 

Die farbliche Gestaltung von Wänden und Mobilar beeinflusst das Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Auch bei der Arbeit am Bildschirm muss auf die richtige Auswahl der Töne geachtet werden, denn hier können Gesundheitsgefahren lauern.

Farben im Büroraum

Farben sollten generell sparsam verwendet werden. Dabei sind Erkenntnisse der Farbenlehre und -psychologie zu berücksichtigen (wie Rot = Stop, Gefahr; Grün = Sicherheit; Gelb = Achtung usw.). 

Für die farbliche Gestaltung des Büroraums empfehlen sich

  •  schwach gesättigte Farben für den Raum
  •  helle Farbtöne für das Mobiliar
  •  einfarbige und helle Vorhänge bzw. Jalousien  

Sie sind weißen, dunklen oder grellen Farbflächen vorzuziehen. Gleichartige Farbgebung kann monoton und ermüdend wirken. Zur Akzentsetzung sind kleinere Flächen von gesättigten, dunklen Farben denkbar.

Die Farben sollten aufeinander abgestimmt sein. Farben verändern den Raumeindruck, warme Farben machen den Raum kleiner und kalte Farben lassen Räume größer wirken. Deckenfarben sollten am hellsten und Bodenfarben am dunkelsten sein.

Im Raum wirkt Rot nah und entgegenkommend. Blau wirkt dagegen kühl, beruhigend und fern. Es gilt als die Lieblingsfarbe der Deutschen.

Farben am Bildschirm

Die Auswahl der zu verwendenden Farben hängt von der Anwendung ab (vgl. ergonomische Anforderungen an Farbgestaltung entsprechend der Kriterien der Software-Ergonomie). Für Textverarbeitung ist die Positivdarstellung mit dunklen Zeichen auf hellem Hintergrund heute selbstverständlich. Farben unterstützen die Informationsaufnahme.

Augenbelastung

Farbdarstellung ist heute Grundsätzlich belasten Farbmonitore stärker als die Graustufenmodelle aus früheren Zeiten. Farbiges Licht wird aufgrund der unterschiedlichen Wellenlänge in der Augenlinse verschieden stark gebrochen und daher als unterschiedlich weit entfernt wahrgenommen. Das Auge muss eine höhere Anpassungsarbeit (Akkommodation) leisten als bei einer Schwarzweiß- oder Graustufeneinstellung. Wenn viel Farbe auf dem Bildschirm zu sehen ist, unterscheidet sich das Helligkeitsniveau zwischen Monitor und Umgebung stärker. Das belastet das Auge zusätzlich. Durch Erweitern und Verengen muss sich die Pupille dem jeweils anvisierten Objekt anpassen und unterschiedliche Helligkeiten ausgleichen (Adaption). 

Farben sparsam verwenden

Die DIN EN ISO 9241, Teil 8 rät zu sparsamen, konsistenten und wohl überlegten Farbeinsatz. Zu viel Farbe erzeugt Unübersichtlichkeit und vermindert die Wahrnehmung.

Wann ist Farbe sinnvoll?

Farben sollten vorwiegend dann eingesetzt werden, wenn durch Markierung, Hervorhebung, Kontraststeigerung und ähnliche Effekte Textteile, Objekte und Strukturen voneinander zu unterscheiden sind. Farben können auch Zusammenhänge verdeutlichen oder Informationen hervorheben

Der Einsatz von Farben empfiehlt sich beispielsweise bei der Arbeit mit Grafiken. Damit werden bestimmte Sachverhalte visualisiert, und Farben erleichtern die Informationsaufnahme. Farbliche Darstellungen eignen sich auch zur Handlungssteuerung am Bildschirm. Für die Bildbearbeitung und die realitätsgerechte Darstellung von Objekten wird ebenfalls Farbe benötigt. Sie unterstützt auch die räumliche Vorstellung z. B. bei Konstruktionsaufgaben.

Auswahl der Farben

Wenn Farben für die Tätigkeit am Bildschirm notwendig sind, dann sollten Gestaltungsregeln beachtet werden. Die Farben von Zeichen oder Grafiken und Hintergrund sind aufeinander abzustimmen, damit die Darstellung scharf ist. Richtwerte enthält die o. g. DIN.

 

Gestaltungsmaßnahmen

  • Außer Schwarz und Weiß sollten maximal sechs verschiedene Farbtöne verwendet werden. Sehr komplexe Farbmuster erschweren die Informationsaufnahme.
  • Für große Flächen bzw. Hintergründe empfehlen sich helle, wenig gesättigte Farben. Dunkle oder stark gesättigte Farben erzeugen bei längerer Betrachtung Nachbilder. Helle Hintergründe verringern die Anpassungsvorgänge des Auges, das zwischen Papiervorlage und Monitor den Blick wechseln muss.
  • Bei der Darstellung von Zeichen (Buchstaben, Ziffern) ist auf einen hohen Kontrast zu achten. Dies erleichtert die Lesbarkeit und Erkennbarkeit. Auf hellem Hintergrund ergeben dunkle Zeichen den stärksten Kontrast.
  • Wenn die Zeichen selbst farbig sein sollen, sind möglichst dunkle gesättigte Farben zu wählen, bspw. sattes Rot auf hellem Grün oder sattes Grün auf hellem Magenta. Auf Blau ist zu verzichten, denn das Auge nimmt es schlecht wahr.
  • Es sind Farbkombinationen zu vermeiden, die von Menschen mit Farbschwächen schlecht oder gar nicht erkannt werden können. Dies gilt vor allem beim Einsatz von Mischfarben.
  • Eine bestimmte Farbe sollte immer die gleiche Bedeutung haben. Das erleichtert die Orientierung.
  • Bei der Farbwahl ist auch ihre Bedeutung in der Alltagswelt zu berücksichtigen. Erkenntnisse aus der Farbenlehre und der Farbpsychologie tragen ebenfalls dazu bei, Belastungen zu reduzieren. 

Gesundheitsgefahren

Eine unergonomische, d.h. grellbunte und kontrastarme Farbwahl bei der Bildschirmgestaltung hat direkte gesundheitsgefährdende Auswirkungen. Arbeitsmedizinische Untersuchungen zeigen, dass sich während der Arbeit mit ungünstigen Farbzusammenstellungen die Lidschlagfrequenz des Auges drastisch erhöhte. Das ist ein klares Belastungszeichen. Es findet eine Reizüberflutung statt. Die Leistung der Hals- und Rückenmuskulatur geht zurück, während die Herztätigkeit davon unberührt bleibt. Das zuvor harmonische Zusammenspiel zwischen Muskelaktivitäten des Herzens und des Rückens funktioniert nicht mehr. 

Der Stütz- und Bewegungsapparat spielt beim RSI-Syndrom eine große Rolle. Eine falsche Farbwahl am Bildschirm kann verstärkend auf die Krankheit wirken.
 
 

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen

Gesetze und Verordnungen
  • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV), Anhang, Nr. 20 und 21
Berufsgenossenschaftlichen Vorschriften und Informationen
  • Berusgenossenschaftliche Information BGI 523: Mensch und Arbeitsplatz.
    Vereinigung der Metallberufsgenossenschaften 2003

Normen
  • DIN EN ISO 9241: Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten (neu: Mensch-System-Interaktion)
    • Teil 8: Anforderungen an Farbdarstellungen (Bildschirm)

Literatur

Literaturmarker Zum Vertiefen:  
 
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.):
Farbe am Arbeitsplatz. Hinweise für die praktische Farbgestaltung.
Dortmund 1. Auflage. 2000

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Letzte Änderung: 20.04.2004

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Rechtsquellen
  • Bildschirmarbeits-
    verordnung

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Literaturtipps
  • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.):
    Farbe am Arbeitsplatz. Hinweise für die praktische Farbgestaltung.


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