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Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Büroraumkonzepte: Gruppenbüro

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht

  • Das Gruppenbüro zeichnet sich durch gute Möglichkeite für intensive Kommunikation und Kooperation der Beschäftigten aus.
  • Hohe Konzentrationsleistungen lassen sich nur mühsam im Gruppenbüro meistern.
  • Doch es ist auch möglich, durch Gestaltungsmaßnahmen Belastungen bspw. durch Lärm zu reduzieren.

Die ersten Gruppenbüros entstanden Anfang der achtziger Jahre. Statt kleiner Einzelbüros, in denen jeder vor sich allein hin arbeitet, wurde damit das Miteinander groß geschrieben. Gruppen- und Teamarbeit wurde als kreativitäts- und produktivitätsfördern erkannt und Gruppenbüros wurden auf die Größe eines Teams oder einer Abteilung zugeschnitten.  

Kommunikation steht im Vordergrund

Gruppenbüros sollen die Kooperationsbeziehungen und den Teamgeist fördern. Sie eignen sich besonders für Arbeiten, die eine intensive Kommunikation und Zusammenarbeit der Beschäftigten erfordern.  Die gemeinsame Arbeit in einer räumlichen Einheit schafft Transparenz, einen schnellen Informationsfluss und kurze Kommunikationswege. Abstimmungen können auf Zuruf laufen ohne bürokratische Umwege. Gegenseitige Vertretung ist leicht möglich, da der Stand der Aufgabenbearbeitung untereinander bekannt ist.

Bild 1: Beispiel für ein Layout eines Gruppenbüros. (Bildquelle: Wikipedia commons)
Besonderheiten des Gruppenbüros

Beim Gruppenbüro handelt es sich um einen Büroraum, der i.d.R. drei bis 20 Arbeitsplätze umfasst. Von diesem Bürotyp verspricht man sich, die Vorzüge von Zellenbüros und Großraumbüros zu vereinen und deren Nachteile auf einem möglichst niedrigen Niveau zu halten.

Gruppenbüros müssen keine eigenständigen Räume mit festen Wänden, sondern können Raumeinheiten innerhalb eines offenen Konzeptes wie Büroformenmix oder Businessclub sein, die durch Trennwände und Raumgliederungssysteme deutlich voneinander abgegrenzt sind.

Werden Gruppenbüros für intensiv kommunikative Aufgaben genutzt oder eine gemeinsame Projektaufgabe, können ihre Vorteile zur Geltung kommen. Dss gilt auch für die Arbeit von Abteilungen mit gleichen Aufgaben oder Kundenstamm. Werden sie dagegen unabhängig von den Arbeitsaufgaben und Abläufen geplant, bringen sie oft erhebliche Nachteile mit sich. Das allerdings hängt sehr von der Größe, Belegung und der gesamten Raumgestaltung ab. Der Übergang zum Großraumbüro ist dabei fließend.

Mindestfläche für das Gruppenbüro nach arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen

Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A1.2 fordert für Zellenbüros 8-10 m² und für Großraumbüros 12-15 m².

Dazwischen liegt das Gruppenbüro, allerdings sind hier oft die Störpotentiale noch größer als in sehr großen Büros. Der durchschnittliche Flächenbedarf beträgt nach Empfehlungen der der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)

  • pro Bildschirmarbeitsplatz 12 – 15 m²
  • pro Mischarbeitsplatz 15 m² für Arbeiten mit umfangreichen Unterlagen, mehreren technischen Geräten und Besprechungsbedarf am Arbeitsplatz
  • für Arbeitsplätze in Gruppenbüros 10 - 12 m²
  • Verkehrswegbreite bei Nutzung von bis 20 Personen 0,93 m

Bei der Planung des Flächenbedarfs ist auch auf die Breite der Verkehrswege zu achten, sie bemisst sich nämlich nach der Anzahl der Beschäftigten.

Gruppenbüro oft mit ergonomischen Defiziten

Gruppenbüros oder Mehrpersonenbüros werden seltener als Großraumbüros professionell geplant und möbliert. Auch Beschäftigte sind oft außen vor. Ohne ergonomische Beratung und Beteiligung der künftigen Nutzer sollten Gruppenbüros nicht geplant und eingerichtet werden.

Die dort zu verrichtenden Tätigkeiten ist die entscheidende Grundlage für die Planung eines Gruppenbüros. 

Arbeitsumgebung

Natürliche Umgebungsfaktoren

Ein Gruppenraum verfügt üblicherweise über mindestens eine Fensterfront. Die Raumtiefe beträgt meist weniger als sieben Meter. Das garantiert Tageslichteinfall, natürliche Belüftung und freien Ausblick an sämtlichen Arbeitsplätzen und sichert damit eine annähernd gleiche Qualität hinsichtlich der Umgebungsfaktoren für alle Beschäftigten.

Tageslicht garantiert

Neben der Allgemeinbeleuchtung sollte eine Arbeitsplatzleuchte für angenehme und individuell ausreichend helle Lichtverhältnisse sorgen. Bei der Aufstellung der Bildschirmarbeitsplätze muss darauf aufgepasst werden, dass sie nicht zu nahe am Fenster stehen, die Blickrichtung der Nutzer und Nutzerinnen parallel zur Fensterfront verläuft und keine Reflexionen durch Tageslicht auf dem Monitor entstehen. Auch bei der Anordnung der Beleuchtung sind Blendungen zu vermeiden.

Lüftung frei regelbar

Gruppenbüros mit ausreichend Fensterflächen und einer Raumtiefe bis 10 m benötigen keine technische Belüftung oder Klimatisierung. Die freie Lüftung über Fenster gilt bei allen Fachleuten als die bessere Wahl. Spitzenlastkühlung durch Deckenelemente können die Sommerhitze reduzieren, wenn der RAum starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. Die notwendigen Sonnenschutzeinrichtungen sollten möglichst individeull verstellbar sein.

Bei Bedarf kann zusätzlich eine Luftumwälzungsanlage zu einer besseren Luftqualität und damit zu einem besseren Raumklima beitragen, zum Beispiel wenn die Fenster sich zu eienr verkehrsreichen Straße öffnen und die Luftqualität außen bedenklich ist. Über die Lufttemperatur und den Luftaustausch müssen sich die Beschäftigten im Raum untereinander verständigen.

Hoher Geräuschpegel

Die akustische Gestaltung von Büroräumen ist bei Gruppenbüros am schwierigsten. In einem Gruppenbüro herrscht ein höherer Lärmpegel als im Zellenbüro mit maximal 2 Personen. Doch der so genannte Masking-Effekt der Großraumbüros tritt hier nicht auf und damit keine Überlagerung der Einzelgeräusche durch einen allgemeinen Hintergrundgeräuschpegel. Diese Mehrpersonenbüros sind zu klein, um dass sich ein solches Hintergrundmurmeln entwickeln kann.

Im Gruppenbüro ist jedes Geräusch und jedes Gespräch gut zu verstehen. Wenn Kommunikation erwünscht ist, ist das positiv.

Wenn das Gruppenbüro Bestandteil einer größeren Raumeinheit ist, kommen häufig noch Lärmbelästigungen von außen dazu. Das lässt sich durch deckenhohe Trennelemente mindern.

Konzentrationsfähigkeit leidet

Konzentriertes Arbeiten wird in einem Gruppenbüro erschwert. Gespräche zwischen den Beschäftigten, Telefonate sowie Beeinträchtigungen durch die Verkehrsbewegungen der Gruppenmitglieder im Raum gehen zu Lasten eines störungsfreien Arbeitens. Ferner gibt es für den Einzelnen kaum Rückzugsmöglichkeiten.

Gegenmaßnahmen

Soll der Austausch untereinander funktionieren, sind hohe trennende Akustikelemente keine Lösung gegen Konzentrationsstörung durch Lärm. Es muss deshalb auf ausreichend Abstand zwischen den Beschäftigten und auf schallabsorbierende Raumbegrenzungsflächen Wert gelegt werden.

Störungen durch andere Beschäftigte lassen sich vermindern, wenn nur wenige Beschäftigte direkt zusammensitzen. Für Teambesprechungen, Kundenkontakte usw. können Besprechungszonen geschaffen werden, die durch Trennwände akustisch und optisch abgeschirmt oder besser vollständig getrennt sind.

Lärm verursachende Treffen können in gesonderten Räumlichkeiten stattfinden, so eignen sich zusätzliche kleine „Telefonzellen“ / „telephone boxes“ mit Tisch und Netzanschluss für lange Telefonkonferenzen. Der Rückzug für konzentrierte Aufgaben ist durch zusätzliche „quiet rooms“/ „silent rooms“ oder „Arbeitszellen“ möglich.

Erweitertes Konzept

Ein solches erweitertes Gesamtkonzept ermöglicht es, ein Teambüro auch für unterschiedliche Arbeitsaufgaben zu nutzen und stressige Störpotentiale gering zu halten. Auf diese Weise nähert sich das Gruppenbürokonzept dann einem offenen Multistrukturbüro-Konzept oder open space.

Für großflächige Teamarbeitsräume gelten die gleichen Gestaltungsregeln wie für Großraumbüros.
 

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen

Gesetze und Verordnungen
  • Arbeitsstättenverordnung (ArbstättV), Anhang 1.2, 1.8, 3.1
  • Technische Regeln für Arbeitsstätten: ASR A1.2 Raumabmessungen und Bewegungsflächen, ASR A2.2 Maßnahmen gegen Brände, ASR A2.3 Fluchtwege, Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan, ASR 3.4 Beleuchtung, ASR A3.4/3 Sicherheitsbeleuchtung, ASR 3.5 Raumtemperatur, ASR A3.6 Lüftung, ASR V3a.2 barrierefrei Gestaltung von Arbeitsstätten, ASR A1.6 Fenster, ASR A1.7 Türen, ASR A1.8 Verkehrswege, ASR 4.3 Pausen- und Bereitschaftsräume, ASR A1.3 Sicherheitskennzeichnung
Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 650: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung. Verwaltungs-Berufsgenossenschaft 2012, download unter www.vbg.de 
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 774: Arbeitssystem Büro. Hilfen für das systematische Planen und Einrichten von Büros. VBG Verwaltungs-Berufsgenossenschaft
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 5050: Büroraumplanung. Hilfen für das systematische Planen und Gestalten von Büros. Verwaltungs-Berufsgenossenschaft 2005   

Normen

  • DIN 4543: Büroarbeitsplätze, Teil 1 Flächen für die Aufstellung und Benutzung von Büromöbeln

 

Literatur  

Literaturmarker Zum Einlesen:   

Scherbaum, Manfred:
Büroraumgestaltung. Handlungshilfe.
hg. v. IG Metall Vorstand, Frankfurt 2014, bestellen bei www.igmetall.de   

Spath, Dieter / Bauer, Wilhelm / Braun, Martin:
Gesundes und erfolgreiches Arbeiten im Büro.
Berlin (Erich Schmidt Verlag) 2011

Literaturmarker Zum Vertiefen:  

Kleinhenz, Stefan:
Der Büroarbeitsplatz. Handbuch für die Gestaltung von Arbeitsplätzen in Büros.
Heidelberg (Dr. Curt Haefner Verlag) 2011

W. Schneider/ A. Windel/ B. Zwingmann:
Die Zukunft der Büroarbeit. Bewerten, Vernetzen, Gestalten,
hrsg. von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und Initiative Neue Qualität der Arbeit www.inqa.de,
Dortmund, Berlin, Dresden 2004 

IG Metall:
Gute Arbeit im Büro. Neue Bürokonzepte gemeinsam gesund gestalten. 
Arbeitshilfe 20, Frankfurt 2004

Fraunhofer Institut Arbeitswirtschaft und Organisation (Hrsg.):
Zukunftsoffensive Office 21 - Mehr Leistung in innovativen Arbeitswelten.
Köln/Stuttgart (Egmont vgs Verlagsgesellschaft mbH) 2003 

Deutsches Büromöbel Forum:
Büro-Ökonomie. Mehr Wirtschaftlichkeit durch richtige Büro-Einrichtung.
Düsseldorf 2001

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin:
Büroraumtypen und Ergonomieprobleme
Dortmund 1998, verfügbar als  download ( 6,7 MB)

Literaturmarkerweitere Bücher und Broschüren

Verwandte Themen

 

Letzte Änderung: 7.9.2013

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Rechtsquellen
  • Arbeitsstätten-
    verordnung


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Literaturtipp
  • Spath / Bauer / Braun:
    Gesundes und erfolgreiches Arbeiten im Büro. 2011


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