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Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Büroraumkonzepte: Kombibüro

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht

  • Das Kombibüro kombiniert kleine Einzelbüros mit gemeinschaftlich genutzten Multifunktionszonen.
  • Wechseln sich konzentrierte Einzelarbeit und Teamarbeit ab, bietet es dafür gute räumliche Voraussetzungen.
  • Die Umgebungsbelastungen sind in den Einzelbüro (Arbeitskojen) gering.
  • Allerdings existiert meist nicht viel Bewegungs- und Stauraum.
  • Die Gemeinschaftszone ist flexibel nutzbar für Kommunikation, Technik und Ablage.
  • Hier fehlt in der Regel ausreichend Tageslicht.
  • Dem Nachteil eines höheren Flächenbedarfs steht ein Optimum an Arbeitsumgebungsqualität gegenüber.

 Wohlbefinden im Kombibüro hoch

Konzentrierte Einzelarbeit und Platz für Teamarbeit - das Kombibüro will die optimale Synthese aus Konzentration und Kommunikation schaffen. Zu Beginn der 80ziger Jahre eingeführt, verspricht es den flexiblen Anforderungen der heutigen Büroarbeit gerecht zu werden. Reine Kombibürokonzepte haben eine geringere ökonomische Flächenwirtschaftlichkeit als das klassische Zellenbüro-Konzept – benötigen also insgesamt mehr Fläche. Je nach Berechnungen stehen sie allerdings besser da als Großraumbüros.

Die Qualität von Kombibüros liegt in den guten Arbeitsumgebungsbedingungen. In den „Office 21“ Studien des Fraunhofer Instituts IAO aus dem Jahr 2001/2002 hat es den höchsten Büroattraktivitäts- und Wohlbefindlichkeits-Index. Die Untersuchungen weisen dementsprechend auch die sogenannte Office-Performance im Kombibüro als fast so hoch aus wie im Einzelbüro, sie wird nur noch vom Büroformenmix (Businessclub oder andere offene Konzepte) übertroffen.

Bild 1: Ergebnisse der Studie des Fraunhofer Instituts IAO 2002. (Bildquelle: Fraunhofer Institut. Zukunftsoffensive Office 21, Stuttgart 2003 )

Einzel- plus Teamarbeit

Das Kombibüro stellt eine Kombination aus individuellen so genannten "Arbeitskojen" und Gemeinschaftsräumen dar. Es ist eine Antwort auf die Mängel des Zellen- und Großraumbüros. Ihm liegt die Idee zugrunde, die herkömmlichen Raumkonzepte so miteinander zu verknüpfen, dass für die unterschiedlichen Arbeitsanforderungen optimale räumliche Gegebenheiten entstehen. Kombibüros eignen sich vorzugsweise für Unternehmen, bei denen häufig zwischen konzentrierter Einzelarbeit und Projektgruppenarbeit gewechselt wird.

Abgeschirmt in kleinen Arbeitskojen

Die Arbeitskojen liegen meist entlang der Fensterfront zur gemeinsam genutzten und innen angeordneten Multifunktionszone hin.
Standardmöblierung ist hier üblich, allerdings ermöglicht die personenbezogene Zuordnung der Büros eine individuelle Gestaltbarkeit des Arbeitsplatzes und die Arbeitskoje ein hohes Maß an Privatheit

Bild 2: Typisches Layout eines Kombibüro-Konzeptes. (Bildquelle: Wikipedia, Wolfram Fuchs)

Die Wände zwischen den einzelnen Arbeitsräumen sind raumhoch geschlossen, die Wände zur Gemeinschaftszone verglast oder mit Glastüren versehen. Damit wird die Verbindung zum Gemeinschaftsbereich optisch hergestellt. Brandschutzvorschriften fordern im Übrigen das Einsehen in die Arbeitskojen.

Mindestgrößen Einzelbüros

Die Arbeitskojen sind in der Regel als kleines Einpersonen-Zellenbüro konzipiert. Es sind auch Zweierbüros vorzufinden, die allerdings nicht die optimale Realisierung von Konzentrationserfordernissen bieten.

Flächenanforderungen Einpersonen-Zellenbüro (ASR A1.2):

  • Mindestgröße für Büroräume 8 m²
  • Richtwerte für Büro- und Bildschirmarbeitsplätze 8 - 10 m² 
Rückzug zum Denken

Im Kombibüro kann der einzelne Mitarbeiter weitgehend ungestört seine Arbeitsaufgabe erfüllen, denn der geschlossene Raum bietet die dazu erforderliche Ruhe. Vor allem für Arbeitsvorgänge, die mit hoher Konzentration und/oder viel Kreativität zu meistern sind, bestehen hier günstige Voraussetzungen.

Um mögliche visuelle Störungen gering zu halten, sollten die Verkehrswege im Gemeinschaftsraum in der Mitte und nicht entlang der Arbeitskojen liegen. Das verhindert auch, dass man sich durch die Glasscheiben von anderen kontrolliert und beobachtet fühlt oder einfach nur abgelenkt. Die ständige Sichtverbindung zu den Kommunikationszonen schafft zwar Transparenz, aber es kann sich nur schwer ein Gefühl von Privatsphäre einstellen.

Licht, Lärmschutz und Klima stimmen

Arbeitskojen erhalten viel Tageslicht, und der Blick nach draußen ist möglich, eine hoher visueller Komfort der für Wohlbefinden sorgt. Für die künstliche Beleuchtung sind Arbeitsplatzleuchten neben der Allgemeinbeleuchtung empfehlenswert. Das Raumklima kann nach persönlichen Bedürfnissen reguliert werden; die raumbezogene Einstellung oder Übersteuerung zentraler Klimatisierungen sollte auf jeden Fall möglich sein.

Bewegungsmangel und wenig Ablagemöglichkeiten

Typisch für eine Zelle im Kombibüro sind Raumbreiten von 2,30 bis 3 m und Tiefen von bis 4 m. Die schlauchartigen Arbeitsboxen fallen also meist recht klein aus. Dies schränkt die Bewegungsmöglichkeiten der Beschäftigten deutlich ein. Auch die Flächen für Ablagen sind begrenzt, die Multifunktionszone sollte hierzu weitere Möglichkeiten bieten, wie z.B. das Archiv.

Wenn die Arbeitsaufgabe sehr viel Unterlagen und noch die Möglichkeiten einer vertraulichen Besprechung im Raum erfordert, dann sind 8 m² zu klein.

Gemeinsame Multifunktionszone

Kommunikation im Gemeinschaftsraum

Je nach Aufgabenstellung der Arbeitsgruppe oder Abteilung kann die Multifunktionszone unterschiedlich genutzt werden. So stehen hier häufig die Arbeitsmittel, die von allen benötigt werden wie Kopierer, Drucker, Akten, Garderobe oder die Bibliothek.

Die Teeküche und Pausenzonen werden hier integriert. Ferner gibt es Besprechungszonen für kleinere und größere Arbeitsgruppen sowie Kundenkontakte. Für vertrauliche Gespräche lassen sich auch kleine abgetrennte Besprechungsräume vorsehen. Idealerweise können an entsprechenden Tischen auch Besprechungen stehend stattfinden.

Kombibürokonzepte haben durch die Gemeinschaftszone eine hohe Begegnungsqualität, sie ist kommunikationsfördernd durch ihre räumliche Anordung und ihre Nutzung - als Verkehrsweg, als informeller Treff und notwendiger Gang zur Gruppensitzunge oder zum Kopierer.

Künstliche Beleuchtung und Klima

Der Gemeinschaftsbereich wird in der Regel künstlich beleuchtet und belüftet. Durch Geräte und Beleuchtung kann eine erhöhte Wärmebelastung entstehen, die durch die künstliche Be- und Entlüftung sowie Kühlung aufgefangen wird. Zonen mit Kopierern müssen entlüftet werden. Durch die unterschiedlichen Klimatisierungsformen kann sich das Klima in der Arbeitskoje von dem im Gemeinschaftsraum unterscheiden.

Hohe Belastungen durch die Umgebung

Ständig genutzte Arbeitsplätze sollten nicht im Gemeinschaftsraum eingerichtet werden, da die Belastungen für die Mitarbeiter einfach zu hoch wären. So müssten die betreffenden Beschäftigten unter künstlicher Beleuchtung und Belüftung ihrer Tätigkeit nachgehen. Da oft die Geräte dort untergebracht sind und Kommunikationszonen der Teamarbeit oder Regenerationszwecken usw. dienen, wären sie starken akustischen und visuellen Störungen ausgesetzt. In Konzepten wie "open psace" oder Büroformenmix kann das der Fall sein.

Tageslicht schaffen

Nach neuen Erkenntnissen kommt dem Tageslicht eine positive Wirkung auf den menschlichen Organismus und die Psyche zu. Wenn der Gemeinschaftsraum an einer Seite der Fassadenfront liegt oder Lichtkuppeln eingebaut werden, kann natürliches Licht einfallen. Großflächige Verglasungen und Oberlichter efordern allerdings intelligente Sonnenschutzvorrichtungen. Bei Innenlagen können dynamische Lichtmanagementsysteme zum Wohlbefinden beitragen.

Büro der Zukunft

Die Diskussion um neue Formen der Raumgestaltung für das Büro der Zukunft ist in vollem Gange. Angetrieben wird sie durch den Wandel der Arbeit, die schneller, komplexer, mobiler, flexibler, ergebnisorientierter geworden ist, und auch durch Kosten- und Standortoptimierungsziele. Variable Formen sind die wichtigsten Eigenschaften für Lösungsvarianten. Wandelbare Raumstrukturen und multifunktionale, modulare Büroeinrichtungssysteme lösen die eher statischen Büroarbeitsplätze aus früheren Zeiten ab. Neue Bürowelten werden unter den Stichworten  „open space“, "New Work" oder "non-territoriales Bürokonzept" geschaffen. Einen eigenen Arbeitsplatz gibt es da überhaupt nicht mehr.

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen

Gesetze und Verordnungen
  • Arbeitsstättenverordnung (ArbstättV), Anhang 1.2, 1.8, 3.1
  • Technische Regeln für Arbeitsstätten: ASR A1.2 Raumabmessungen und Bewegungsflächen, ASR A2.2 Maßnahmen gegen Brände, ASR A2.3 Fluchtwege, Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan, ASR 3.4 Beleuchtung, ASR A3.4/3 Sicherheitsbeleuchtung, ASR 3.5 Raumtemperatur, ASR A3.6 Lüftung, ASR V3a.2 barrierefrei Gestaltung von Arbeitsstätten, ASR A1.6 Fenster, ASR A1.7 Türen, ASR A1.8 Verkehrswege, ASR 4.3 Pausen- und Bereitschaftsräume, ASR A1.3 Sicherheitskennzeichnung
Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 650: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung. Verwaltungs-Berufsgenossenschaft 2012, download unter www.vbg.de
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 774: Arbeitssystem Büro. Hilfen für das systematische Planen und Einrichten von Büros. VBG Verwaltungs-Berufsgenossenschaft
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 5050: Büroraumplanung. Hilfen für das systematische Planen und Gestalten von Büros. Verwaltungs-Berufsgenossenschaft 2005   

Normen

  • DIN 4543: Büroarbeitsplätze, Teil 1 Flächen für die Aufstellung und Benutzung von Büromöbeln

Literatur  

Literaturmarker Zum Einlesen:  

Scherbaum, Manfred:
Büroraumgestaltung. Handlungshilfe.
hg. v. IG Metall Vorstand, Frankfurt 2014, bestellen bei www.igmetall.de 

Spath, Dieter / Bauer, Wilhelm / Braun, Martin:
Gesundes und erfolgreiches Arbeiten im Büro.
Berlin (Erich Schmidt Verlag) 2011

Literaturmarker Zum Vertiefen:  

W. Schneider/ A. Windel/ B. Zwingmann:
Die Zukunft der Büroarbeit. Bewerten, Vernetzen, Gestalten,
hrsg. von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und Initiative Neue Qualität der Arbeit www.inqa.de,
Dortmund, Berlin, Dresden 2004 

Stephan Zinser (Hrsg.):
Flexible Arbeitswelten. Handlungsfelder, Erfahrungen und Praxisbeispiele aus dem Flexible-Office-Netzwerk. Zürich (vdf Hochschulverlag AG) 2004 

IG Metall:
Gute Arbeit im Büro. Neue Bürokonzepte gemeinsam gesund gestalten. 
Arbeitshilfe 20, Frankfurt 2004

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin:
Büroraumtypen und Ergonomieprobleme
Dortmund 1998, verfügbar als download ( 6,7 MB)

Literaturmarkerweitere Bücher und Broschüren

Verwandte Themen

Letzte Änderung: 7.9.2013

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Rechtsquellen
  • Arbeitsstätten-
    verordnung


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Literaturtipps
  • Spath / Bauer / Braun:
    Gesundes und erfolgreiches Arbeiten im Büro.  2011


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