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Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Büroraumkonzepte: Zellenbüro

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht

  • Das Zellenbüro gibt es als Ein- bis Drei-Personen-Büroraum.
  • Als Einzelbüro bietet es Vorteile, wenn hohe Konzentrationsanforderungen bewältigt oder Vertrauliches besprochen werden müssen.
  • Die Umgebungsbelastungen sind im Einzelbüro als optimal regelbar.
  • Im Zweier- oder Dreier-Büro können Störungen belasten.
  • Für wechselnde Aufgaben und Arbeitsteams sind flexible Raumstrukturen die bessere Alternative.

 
Das so genannte Zellenbüro ist die klassische Büroform mit einer nach wie vor großen Verbreitung. Es ist das beliebteste Bürokonzept. Hier werden seltener Klagen über Störungen und ungünstige Umgebungsbedingungen geäußert. Die Produktvität wird im Einzelbüro als hoch und im Mehrpersonen-Zellenbüro dagegen als niedrig bewertet.

Das Zellenbüro genügt heutigen Ansprüchen an Projekt- und Teamarbeit und nach flexibler Raumnutzung häufig nicht mehr.

Bild 1: Modell eines kleinen Zellenbüros, noch "unbewohnt". (Quelle: Rhode & Grahl)

Das Zellenbüro ist mit ein bis drei Beschäftigten belegt, die in einem vom übrigen Bürobetrieb abgeschlossenen Arbeitsraum ihrem Job nachgehen. Zellenbüros sind in der Regel längs eines Mittelflurs angeordnet. Neu geschaffen werden Ein-Personen-Büros heute vor allem für Führungskräfte. Einzelbüro gelten als Statussymbol in Unternehmen, in denen üblicherweise in Großraumbüros gearbeitet wird. Ihre Größe ist oft an die Hierarchieebene gekoppelt.

Im Kombi-Bürokonzept sind Zellenbüros für in der Regel eine Person in besonders flächensparender Variante vorgesehen. Im Allgemeinen ist das Konzept Zellenbüro flächenaufwendig.

Einzelbüro: Konzentration und blockierte Kommunikation

Hohe Individualität

Die Gestaltung des Arbeitsplatzes und der Umgebungsbedingungen, wie Beleuchtung oder Raumklima ist individuell am besten im Einzelraum möglich. Privatsphäre ist hier sehr gut realisierbar.

Kommunikation behindert

Diese Büroform allerdings hat Nachteile, weil sie die notwendige Kommunikation und Kooperation eher behindert statt fördert. Die Mitarbeiter einer Abteilung sind auf mehrere Büros verstreut, die Wege zu Kollegen sind lang und jedes Gespräch ist immer geplant. Spontane Begegnungen sind eher zufällig auf Flur oder Kantine. Teamorientiertes Arbeiten ist erschwert.

Um so wichtiger ist es dann, dass für den Austausch mit Arbeitskollegen regelmäßige Besprechungen stattfinden und Räumlichkeiten für informelle Kontakte und Begegnungen existieren.

Konzentration ungestört

Am besten ist das Einzelbüro für Tätigkeiten mit hohem Anteil an Einzelarbeit, hoher organisatorischer Unabhängigkeit und häufigen vertraulichen Gesprächen z.B. mit Kunden oder Mitarbeitern geeignet.

Es ermöglicht anspruchvolles konzentriertes und störungsfreies Arbeiten. Lärm durch Gespräche, wie es alle anderen Büroformen kennen, ist hier kein Problem. Allerdings kann auch das Gefühl der Isolation aufkommen.

Mindestfläche Bildschirmarbeitsplatz

Der Flächenbedarf für einen durchschnittlichen Büro- und Bildschirmarbeitsplatz wird inklusive der anteiligen Möbel- und Verkehrswegflächen angegeben. Richtwerte zeigen die staatlichen Arbeitsschutzinstitutionen und die Informationen der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen in Form gesicherter arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse und anerkannter Praxis und auf.

Fläche durchschnittlicher Bildschirmarbeitsplatz (ASR A1.2):

  • Mindestgröße Büroraum: 8 m²
  • Richtwerte für Büro- und Bildschirmarbeitsplatz im Zellebüro: mindestens 8-10 m²

      Da im Einzelbüro in der Regel auch Drucker genutzt werden, müssen zusätzliche Tischfläche berücksichtigt werden, auch Flächen für einen Besucherstuhl oder einen Besprechungstisch. Kommt ein überdurchschnittlicher Ablagebedarf mit mehreren Regalen hinzu, sind 8 m² Fläche als Raumgröße nicht mehr ausreichend.

      Mehr-Personen-Zellenbüro: Kommunikation und gestörte Produktivität

      Intensive Kooperation im Zwei- und Dreipersonen-Büro

      Wenn zwei oder drei Kollegen auf intensive Zusammenarbeit angewiesen sind, fällt die Verständigung in einem gemeinsamen Büro besonders leicht. Man bekommt nebenbei die Gespräche des anderen z. B. mit Kunden mit, kann jederzeit Hilfestellungen geben usw. Der Informationsfluss funktioniert schnell. Gegenseitiges Vertreten ist leicht realisierbar.

      Bild 2: Grundriss von Zellen-Bürotypen. (Bildquelle: Wikipedia)

      Diese Büroform ist für kleine Arbeitsgruppen gut geeignet, nicht aber für Beschäftigte die unterschiedlichen fachliche Aufgaben haben.

      Hohe Störeffekte durch Gespräche und Bewegung

      Bei hohen Konzentrationsanforderungen werden akustische Störeinflüsse wie Telefonate und Gespräche im Zwei-oder Drei-Personen-Büro als besonders belastend empfunden. Je schallhärter der Raum ist, desto lästiger sind Geräusche aller Art. Dies lässt sich kaum verändern, da der relativ geringe Grundgeräuschpegel, der Einzelgeräusche überlagern könnte, nicht so hoch ist, wie das im Großraumbüro der Fall ist. Wer die Umgebung laut empfindet, spricht unwillkürlich lauter, ein Aufschaukeleffekt.

      Es werden durch Telefonate nicht nur die Konzentration sondern ebenso auch die Gespräche der anderen gestört.
      Auch Zellenbüros müssen akustisch gestaltet werden. Eine Akustikdecke und Trittschalldämmung sind notwendig, darauf verweist die berufsgenossenschaftliche Fachinformation BGI 5141. Tischaufsätze können die direkten Schalleinwirkungen von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz mindern.

      Gegenseitige Beeinträchtigungen können auch die Bewegungen der Anderen verursachen. Rein statistisch verlässt jeder Beschäftigte etwa zehnmal am Tag seinen Arbeitsplatz, um bspw. die Kantine, die Toilette oder Kollegen aufzusuchen. Wenn man zudem berücksichtigt, dass uns Arbeitsmediziner immer wieder zu einem bewegungsaktiven Arbeiten auffordern, um Rückenleiden vorzubeugen, also häufig die Arbeitshaltung zu wechseln, dann erhöht das zusätzlich die visuellen Störungen im kleinen Büroraum.

      Zweier-Büros gelten als unproduktiv, weil die gegenseitigen Störungen erheblich sind. Auf ihre geringe „Office performance“  haben die Studien des Fraunhofer Instituts IAO im Jahr 2002 hingewiesen. Die Erwartungen an die Produktivität sind bei Zellenbüros allerdings deutlich höher als bei Großraumbüros, wie der Fachverband bso in einer Umfrage 2010 feststellte.

      Beleuchtung und Klima anpassbar

      In der Regel gibt es in Zellebüros ausreichend Tageslicht, und der Blick aus dem Fenster ist möglich. Für die künstliche Beleuchtung sollten neben einer Allgemeinbeleuchtung immer auch eine Arbeitsplatzleuchte sorgen. Individueller Helligkeitsbedarf läßt sich so am besten optimieren. Wird nur eine Leuchte verwendet, kann es zu Beleuchtungsmängeln oder Blendungen kommen.

      Das Lüftung und Temperatur lassen sich im Zellebüro meist auf natürliche Weise durch die Einstellung der Heizung und das Öffnen der Fenster regulieren. Über das Raumklima muss man sich allerdings miteinander verständigen.

      Möblierungslayout für zwei Arbeitsplätze

      Klassische Blockform

      Normalerweise werden zwei Arbeitstische gegenüber in Blockform aufgestellt. Es ist die ideale Möblierung für Teamarbeit. Vorteil dieser Form ist die ungehinderte Kommunikation. Nachteil ist der ungehindert auftreffende direkte Schall vom Gegenüber.

      Störungen durch Telefonate können mit einem akustisch wirksamen Tischaufsatz begrenzt gemindert werden. Ein gemeinsamer Besprechungstisch ermöglicht gezielt gemeinsame Abstimmungen, um auf diese Weise organisatorisch Störungen zu vermeiden.

      Bild 3: Aufstellung von zwei Arbeitsplätzen im Blockmodell. Mit Regalen und Besprechungstisch.

      Die Beschäftigten sitzen persönlich zugewandt gleichberechtigt gegenüber, das wirkt im allgemeinen freundlicher.

      Werden Steh-Sitz-Tische verwendet, führt die Blockform zu einem optischen und psychologischen Gefälle. Mit einer Teil-Trennwand kann dieser Nachteil gemindert werden.

      Wandorientiert Rücken an Rücken

      Günstiger kann es sein, die Arbeitstische in einem Zweipersonen-Büro nicht in Blockform aufzustellen, sondern wandorientiert. Man spricht dann nicht mehr gegen die Ohren des Kollegen, sondern gegen eine schallabsorbierende Wand und der andere bzw. die andere hört den gedämpft reflektierten Schall. Die Störung durch Gespräche ist deutlich geringer.

      In der Raummitte entsteht zudem Platz für einen Regal, entweder in Stehhöhe für kleine Arbeiten im Stehen, als Druckertisch oder mit akustischen Aufsatz für weitere Schallabschirmung. Es kann hier auch ein Besprechungstisch integriert werden, je nach Raumgröße.
      Vorteil hat dieses Modell für das konzentrierte Arbeiten. Man wird auch durch die Bewegungen des Kollegen im Blickfeld direkt gegenüber nicht abgelenkt. Die Kommunikation kann trotzdem stattfinden, allerdings eventuell weniger spontan. Ein Vorteil kann es auch sein, die Wand als Pinnwand oder Ablage nutzen zu können.  Wandorientierte Möblierungen wirken räumlich großzügiger.

      Bild 4: Wandorientierte Aufstellung von zwei Arbeitsplätzen. Mit Schreibtischkombination, Regalen und Besprechungstisch. Schallabsorbierende Flächen an Wänden und zwischen den Arbeitsplätzen.

      Zu empfehlen ist es, zwischen den beiden Arbeitsplätzen durch trennende Elemente eine psychologisch wirksame „schützende“ Grenze einzubringen. Das kommt den natürlichen menschlichen Bedürfnissen entgegen und erhöht das Wohlbefinden.

      Nachteilig kann es sein, dass der Einblick in den Monitor des Kollegen leicht möglich ist.  Der Schutz der Privatsphäre oder der Schutz vertraulicher geschäftlicher Inhalte ist hier geringer, er kann durch eine Stellwand nur wenig verbessert werden.

      Auf Ablehnung trifft oft der Blick auf die Wand oder das Sitzen mit dem Rücken zur Tür. Auch das sind Nachteile des Modells.

      Je nach Sonneneinstrahlung kann die Wandorientierung die Gefahr der Spiegelung und Blendung bei schräg auf den Bildschirm eintreffendes Licht erhöhen. Individuelle Verstellbarkeit von Blendschutz innen oder Sonnenschutz außen kann dem begegnen.

      Unterschiedliche Büroformen für unterschiedliche Arbeitsszenarien

      Als Regel gilt, dass Arbeitsaufgabe und Arbeitsorganisation letztlich entscheidend dafür sind, welche Raumaufteilung benötigt wird.

      Allerdings erweisen sich da die herkömmlichen Zellenbüros als hinderlich, denn üblicherweise handelt es sich um Standardräume, deren Wände baulich nicht oder nur mit großem Aufwand versetzt werden können.

      Wechselnde Arbeitsaufgaben, Projekte und Teamzusammensetzungen erfordern heute aber wandelbare, variable Büroflächen und unterschiedliche Raumstrukturen. Zellenbüros mit festen Wänden sind diesen Veränderungen gegenüber sehr unflexibel.

      Beschäftigte einbeziehen

      Beschäftigte sollten über die Gestaltung ihres Arbeitsplatzes mit entscheiden dürfen. Ihre Partizipation im Planungsstadium vermeidet nachträglichen Aufwand und Frust.

       

      Der Servicebereich

      Rechtsquellen und Normen

      Gesetze und Verordnungen
      • Arbeitsstättenverordnung (ArbstättV), Anhang 1.2, 1.8, 3.1
      • Technische Regeln für Arbeitsstätten: ASR A1.2 Raumabmessungen und Bewegungsflächen, ASR A2.2 Maßnahmen gegen Brände, ASR A2.3 Fluchtwege, Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan, ASR 3.4 Beleuchtung, ASR A3.4/3 Sicherheitsbeleuchtung, ASR 3.5 Raumtemperatur, ASR A3.6 Lüftung, ASR V3a.2 barrierefrei Gestaltung von Arbeitsstätten, ASR A1.6 Fenster, ASR A1.7 Türen, ASR A1.8 Verkehrswege, ASR 4.3 Pausen- und Bereitschaftsräume, ASR A1.3 Sicherheitskennzeichnung

      Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen
      • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 650: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung. Verwaltungs-Berufsgenossenschaft 2012, download unter www.vbg.de
      • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 774: Arbeitssystem Büro. Hilfen für das systematische Planen und Einrichten von Büros. VBG Verwaltungs-Berufsgenossenschaft 
      • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 5050: Büroraumplanung. Hilfen für das systematische Planen und Gestalten von Büros. Verwaltungs-Berufsgenossenschaft 2005 

      Normen

      • DIN 4543: Büroarbeitsplätze, Teil 1 Flächen für die Aufstellung und Benutzung von Büromöbeln

      Literatur  

      - Zum Einlesen:  

       

      Scherbaum, Manfred:
      Büroraumgestaltung. Handlungshilfe.
      hg. v. IG Metall Vorstand, Frankfurt 2014, bestellen bei www.igmetall.de

      IG Metall:
      Arbeit im Büro gesund gestalten,
      Tipps für den Arbeitsplatz Nr. 23 in der Reihe Gesünder @rbeiten,

      Frankfurt/M. 2004, unter www.igmetall.de/gesundheit 

      - Zum Vertiefen  

      Kleinhenz, Stefan:
      Der Büroarbeitsplatz. Handbuch für die Gestaltung von Arbeitsplätzen in Büros.
      Heidelberg (Dr. Curt Haefner Verlag) 2011 

      bso Verband der Büro-, Sitz- und Objektmöbel/ Büro-Forum:
      bso-Studie 2011
      download unter www.buero-forum.de

      Fraunhofer Institut Arbeitswirtschaft und Organisation (Hrsg.):
      Zukunftsoffensive Office 21 - Mehr Leistung in innovativen Arbeitswelten.
      Köln/Stuttgart (Egmont vgs Verlagsgesellschaft mbH) 2003 

      Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin:
      Büroraumtypen und Ergonomieprobleme
      Dortmund 1998, verfügbar als download ( 6,7 MB)

      -weitere Literatur

      Verwandte Themen

      Letzte Änderung: 6.9.2013

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      Rechtsquellen
      • Arbeitsstätten-
        verordnung


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      Literaturtipps
      • Kleinhenz: Der Büroarbeitsplatz. 2011  


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