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Arbeit im Büro gesund gestalten

Tipp
ergo-online®-Tipp: Arbeit selbst besser gestalten - was kann ich tun?

Autorin: Jutta Weber-Bensch

 

 

ergo-online®-Tipps

Einen erheblichen Teil unseres Tages verbringen wir mit und bei der Arbeit. ergo-online gibt Ihnen Tipps, Infos, Hilfestellungen, wie Sie Ihre Arbeitsbedingungen selbst so gestalten können, dass Sie sich dabei wohler fühlen und Ihre Gesundheit schützen.

Tipp 1: Kleine Dinge können Sie selbst tun

In Ihrem Büro können Sie eine ganze Menge kleiner Dinge selbst tun, damit Sie sich wohler fühlen. Was das ein könnte? Dazu einige Beispiele:

  •  Sie können Ihren Bildschirm so aufstellen, dass Sie nicht unnötig durch Reflexe und Spiegelungen beim Arbeiten   gestört werden. Ihre Augen ermüden nicht so schnell.
  •  Sie können Ihren Bürostuhl optimal einstellen, und damit Verspannungen im Rücken vorbeugen. Er soll Sie stützen und bei Bewegung gut mitgehen.
  •  Sie können Ihre Pausen so legen, dass Sie wirklich etwas davon haben. Lieber öfter eine Kurzpause, so wird
     Energie getankt und das wieder "Hochfahren" fällt leichter.
  •  Sie können Ihre Bildschirmarbeit so organisieren, dass Sie sich abends nicht so kaputt und zerschlagen fühlen. Legen Sie schwierige Konzentrationsaufgaben in ruhige Tageszeiten, nutzen Sie Íhr Energiehoch am Vormittag und am Nachmittag.
  •  Sie können Bilder aufhängen, Pflanzen und persönliche Gegenstände aufstellen. Das sorgt für Wohlbefinden.

Hierzu benötigen Sie niemanden, außer einige Hintergrundinformationen, die Sie bei ergo-online finden. Und dann können Sie aktiv werden.

 

Tipp 2: Größere Vorhaben verlangen Gespräche und Kooperation

Sind Sie mit ihren Arbeitsmitteln, wie z. B. dem Bildschirm, mit dem Arbeitstisch und dem Arbeitsstuhl oder dem Lärm und Raumklima in Ihrer Arbeitsumgebung unzufrieden, so ist häufig größerer Klärungsbedarf vorhanden, eventuell sind sogar Investitionen erforderlich.

Wenn Sie ein solches Problem haben, winken Sie innerlich nicht gleich resigniert ab. Was Sie tun können? Größere Probleme können Sie nicht alleine bewältigen. Sie können größere Probleme nur gemeinsam mit anderen lösen.

An wen können Sie sich wenden?

  • Sie sprechen mit ihrem Vorgesetzten. Damit das leichter geht, lesen Sie dazu unsere Gesprächstipps und bereiten Sie sich damit besser vor.
  • Sie können sich an Ihre Interessenvertretung wenden, und Ihr Problem mit den Kollegen und Kolleginnen dort besprechen.
  • Sie können sich auch von den betrieblichen Arbeitsschutzexperten/Expertinnen, wie der Fachkraft für Arbeitssicherheit oder dem Betriebsarzt, beraten lassen. Fast jedes Unternehmen hat die Fachleute, die Ihnen in der Regel gerne helfen, ein größeres Problem auch gemeinsam mit Ihrem Vorgesetzten zu lösen.

    Je nach Organisation des Betriebes und Thema können Sie sich auch an Sicherheitsbeauftragte, Gesundheitsbeauftragte, Qualitätsbeauftragte, Frauenbeauftragte, betriebliche Sozialbeauftragte, Mobbingbeauftragte oder Suchtbeauftragte als ersten Ansprechpartner wenden.

      

    Tipp Nr. 3: Wer etwas tut, bewirkt etwas und fühlt sich besser

    Wenn Sie sich aktiv an der Gestaltung Ihrer Arbeitsbedingungen beteiligen, können Sie viel bewirken. Dinge, die Sie als belastend empfinden, können Sie zusammen mit anderen Beteiligten – zumindest ein Stück weit – verbessern. Das kommt Ihrer Gesundheit, Ihrer Arbeitszufriedenheit und Motivation und Ihrer Leistungsfähigkeit zugute.

    • Warten Sie nicht, bis andere die Initiative ergreifen, sonst riskieren Sie, dass vermeintliche Sachzwänge und widrige Umstände Ihr Wohlbefinden (weiter) beeinträchtigen oder, dass andere für Sie entscheiden.
    • Sprechen Sie über Belastungen und Verbesserungsmöglichkeiten mit Vorgesetzten und Kollegen/Kolleginnen. Erkunden Sie sich, wie es anderen mit diesen Belastungen geht, bringen Sie eigene Ideen ein und bitten Sie die anderen um ihre Vorschläge.
    • So sensibilisieren Sie sich und andere, etwas Gutes für sich bei der Arbeit zu tun, und Sie wecken Interesse und zeigen Bereitschaft, sich selbst zu engagieren, Verantwortung zu übernehmen.

    Wer etwas tut, bewirkt etwas und fühlt sich besser. Diese Erfahrung werden Sie sehr schnell machen. Dass das nicht immer leicht ist, dass es viele Stolpersteine gibt und machmal vielleicht auch etwas Ärger, das werden Sie auch erfahren. Aber entscheidend ist, dass Ihre Selbstachtung steigt, weil Sie etwas getan und versucht haben, die Situation zu ändern.

    Welche konkreten Verbesserungen der Arbeitsbedingungen Sie in welchem Tempo erreichen, hängt natürlich außer von Ihnen auch davon ab, wie leicht oder schwer das jeweilige Problem zu lösen ist, wie die Unternehmenskultur und das Betriebsklima beschaffen sind. In jedem Falle thematisieren Sie durch Ihr Engagement bestehende Probleme, weisen auf Verbesserungsmöglichkeiten hin, erarbeiten diese selbst oder mit anderen. Die Arbeitsbedingungen und das Gesundheitsbewusstsein im Betrieb werden dadurch gefördert. Ihr Ansehen bei Kolleginnen und Kollegen wie auch bei Vorgesetzten wächst. Ihre eigene Arbeitszufriedenheit steigt mit jedem kleinen und jedem großen Erfolg. Im Idealfall entwickelt sich ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess im betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz.

     

    Tipp 4: Am Anfang steht die Informationsbeschaffung

    Der erste Schritt ist oft der schwerste. Häufig empfindet man etwas als unangenehm, ärgert sich und jammert herum. Aber man weiß nicht so recht, wie es besser wäre. Deswegen steht am Anfang jeden Tuns meistens die Informationsbeschaffung.

    Wie das geht? 

    • Informieren Sie sich in ergo-online über das Problem, das sie an Ihrem Büroarbeitsplatz haben. Hier finden Sie fast alles was sie brauchen, egal ob es um Arbeitszeit, Stress, MobbingArbeitsorganisation oder Büroraumgestaltung geht.
    • Beschaffen Sie sich Broschüren und Faltblätter von BerufsgenossenschaftenKrankenkassen oder Arbeitsschutzämtern über Arbeitsbedingungen im Büro. Diese Institutionen bieten viele interessante und leicht lesbare Tipps und Hilfen. Einige dieser Medien finden Sie auch im Internet als Downloads.
    • Fragen Sie Ihre Kollegen/Kolleginnen, ob sie eine Lösung für Ihr Problem kennen.
    • Fragen Sie Ihren Vorgesetzten, Arbeitschutzfachleute oder Ihren Betriebs- oder Personalrat, welche Möglichkeiten es für die Lösung Ihres Problems gibt.
    • Regen Sie bei Bedarf themenbezogene Unterweisungen und Informationen durch den Vorgesetzten in Ihrem Unternehmen an.

     Nutzen Sie das neue Wissen für die Überprüfung Ihres eigenen Verhaltens und für Verbesserungsvorschläge.

     

    Tipp 5: "Selbstkritik" weist neue Perspektiven

    Hilfreich beim eigenenTun ist eine kritische Haltung sich selbst gegenüber. Stellen Sie sich einmal selbst folgende Fragen und Sie werden entdecken, dass Sie einige Anregungen, finden, was Sie tun oder bedenken sollten: 

    • Bin ich für bestimmte Belastungen selbst verantwortlich? (Zum Beispiel weil ich meinen Arbeitsplatz nicht ergonomisch eingerichtet habe, weil ich die Reflektionen auf meinem Bildschirm als gegeben akzeptiere, weil ich meinen Arbeitsstuhl nicht auf meine Größe eingestellt habe, ja mich garnicht darum gekümmert habe, wie das geht?)
    • Sehe ich zwar bestimmte Missstände und Probleme, kann aber meinen "inneren Schweinehund" nicht überwinden?
    • Jammere und kritisiere ich viel herum, tue aber selbst zu wenig, um die Situation zu verbessern und die Probleme zu beseitigen?
    • Habe ich überhaupt schon einmal mit jemanden im Betrieb über mein Problem gesprochen? (zum Beispiel mit Kollegen/Kolleginnen, Vorgesetzten, dem Betriebs- oder Personalrat, der Fachkraft für Arbeitssicherheit, dem Betriebsarzt oder dem Sicherheitsbeauftragten)

     

    Tipp 6: Persönliche Schritte hin zu Veränderungen

    Wenn Sie selbst etwas tun wollen, die Situation an Ihrem Arbeitsplatz oder Ihr eigenes Verhalten verändern wollen, dann helfen Ihnen die folgenden Tipps, die Situation erfolgreich zu beeinflussen: 

    • Setzen Sie sich realistische Ziele.
    • Machen Sie sich einen persönlichen Plan, was Sie machen wollen.
    • Schauen Sie regelmäßig in diesen Plan und kontrollieren sie Ihre Fortschritte.
    • Fangen Sie mit kleinen Schritten an. Sie können sich langsam, aber stetig steigern.

    Beginnen Sie mit der Umsetzung der Ziele sofort und schieben Sie nicht kurzfristige Dinge wie "ich muss zuerst die Mails beantworten" vor. 

    • Geben Sie eventuell dem Neuanfang mit einem "Startschuss" besonderes Gewicht.
    • Nehmen Sie sich Zeit zum Üben, behalten Sie den Überblick und halten Sie durch, wenn Ihre Lust zwischendurch einmal nachlässt. Lassen Sie sich nicht ablenken oder beirren.
    • Irgendwann wird das neu Antrainierte zur Routine. Eine ständige Kontrolle können Sie sich sparen, wenn Sie sicher geworden sind und sich die neuen Verhaltensweisen nicht mehr bewusst überlegen müssen.
    • Überlegen Sie, was Ihnen für Ihre Zielerreichung hilfreich wäre, was Sie dazu benötigen und wie Sie erreichen, dass es Ihnen zur Verfügung steht. Helfen Ihnen schriftlich fixierte Ziele, der Zeitplan und/oder Erinnerungen auf dem Schreibtisch? Probieren Sie es einfach aus. Könnte z. B. ein Kompetenztraining zu Stress- oder Zeitmanagement, zum Umgang mit Konflikten und Belastungen hilfreich sein?
    • Sprechen Sie über Ihre Planungen zur Veränderung auch mit Kollegen/Kolleginnen, der betrieblichen Interessenvertretung und Ihren Vorgesetzten.
    • Überlegen Sie vorab, welche Widerstände Sie erwarten, wenn Sie die Arbeitssituation verändern beziehungsweise sich künftig anders verhalten. Bedenken Sie vorher, wie Sie die Widerstände und Hemmnisse ausräumen oder minimieren können.
    • Verfolgen Sie Ihre Fortschritte regelmäßig. Stellen Sie nicht zu hohe Ansprüche an sich selbst, verzeihen Sie sich Fehler, lernen Sie daraus und belohnen Sie sich für Erfolge.
    • Beobachten Sie sich selbst und passen Sie auf, wie Ihr "innerer Schweinehund" worauf reagiert. Das hilft, "mit ihm besser auszukommen".
     
     

    Tipp Nr. 7: Wie Sie Veränderungsprozesse mit anderen einleiten können

    Veränderungen, die Sie nicht allein betreffen, sondern auch die Kolleginnen und Kollegen oder die Arbeitssituation in Ihrem Arbeitsbereich insgesamt, sollten Sie bewusst angehen. Motzen und Schimpfen über belastende Situationen mögen kurzfristig helfen und entlasten. Verändert wird dadurch in der Regel wenig. Wenn Sie tatsächlich etwas verändern wollen, sollten Sie Ihr Vorgehen vorbereiten – zumindest in Ihrem Kopf. Hier finden Sie Tipps und Anregungen, die Ihnen helfen, diese Veränderungen einzuleiten: 

    • Machen Sie sich bewusst, was Sie wirklich stört und was Sie verändern wollen. Dabei hilft es manchmal, die eigenen Vorstellungen aufzuschreiben.
    • Setzen Sie sich Ziele, was Sie erreichen wollen und überlegen Sie sich auch, wie Sie Ihre Ziele am besten erreichen können.
    • Sprechen Sie mit Kollegen/Kolleginnen und Vorgesetzten über Ihre Ziele und laden Sie zum Mitmachen ein. Erklären Sie Ihre Ziele und Interessen ehrlich und verständlich.
    • Bringen Sie Ihr Wissen und Ihre Anregungen und Ideen zur Arbeitsgestaltung oder Verbesserungsvorschläge bei Gesprächen mit Vorgesetzen sowie in Mitarbeiter- und Teambesprechungen ein.
    • Stellen Sie Fragen bei Betriebs- oder Abteilungsversammlungen.
    • Nutzen Sie bestehende Gruppen und Gesprächskreise wie Qualitäts- oder Gesundheitszirkel oder initiieren Sie die Einrichtung solcher Gruppen.
    • Wenn in Ihrem Unternehmen das betriebliche Vorschlagswesen gut funktioniert, tragen Sie Ihre Ideen in diesen Institutionen vor. Schaffen Sie Vertrauen, indem Sie darauf achten, dass Sie nicht anders handeln als Sie reden.
    • Schaffen Sie Vertrauen, indem Sie nicht anders handeln als Sie reden
    • Akzeptieren Sie andere und nehmen Sie auch deren Interessen ernst. Prüfen Sie, ob es Berührungspunkte oder Gemeinsamkeiten mit den Interessen anderer gibt.
    • Bitten Sie um Erfahrungsaustausch. Kommunizieren Sie eigene Erfahrungen und bitten Sie um Rückmeldungen zu Ihrem Verhalten.

     

    Tipp Nr. 8: Nutzen Sie unseren Gesprächsleitfaden

    Letzte Änderung: 8.11.2011

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    Literaturtipps
    • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizing (Hrs.): Wohlbefinden im Büro. Dortmund 2010, download www.baua.de
    • Fisher/Ury/Patton: Das Harvard-Konzept. Sachgerecht verhandeln – erfolgreich verhandeln,
      Frankfurt/M./New York 2003
    • Breisig/König/Wengelowski: Arbeitnehmer im Mitarbeitergespräch. Grundlagen und Tipps für den Erfolg,
      Frankfurt/M.
      2000
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