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Arbeit im Büro gesund gestalten

Tipp
ergo-online®-Tipp: Wie schaffe ich es, regelmäßig Pausen einzulegen?

Autorin: Jutta Weber-Bensch

ergo-online®-Tipps

Wer kennt das nicht: Wir alle wissen, dass es sinnvoll und für unsere Gesundheit wichtig ist, nicht ständig vor dem Bildschirm zu sitzen, uns auch mal zu bewegen und unseren Augen Gelegenheit zur Erholung zu gönnen. Bei ununterbrochen bildschirmgebundener Arbeit haben wir das Recht auf bezahlte regelmäßige Arbeitsunterbrechungen. Trotzdem scheint es im Arbeitsalltag oft schwierig, den guten Vorsatz, Bildschirmpausen einzulegen, auch in die Praxis umzusetzen.Bildschirmpausen - was muss ich dazu wissen?

Bildschirmpausen - was muss ich dazu wissen?

 

Kurzinfo 1: Welche Wirkung haben Bildschirmpausen? 

  • Bildschirmpausen sind wichtig als Erholung für die Augen.
  • Sie beugen Schäden durch einseitige Arbeitshaltung vor.
  • Sie ermöglichen Kommunikation und Austausch mit Kollegen und Kolleginnen.
  • Sie dienen der Konzentrationsfähigkeit, fördern effektives und effizientes Arbeiten und erhöhen die Leistungsfähigkeit und die Leistungsbereitschaft.

 

Kurzinfo 2: Darf ich Bildschirmpausen machen?

  • Einen gesetzlichen Anspruch auf kurze und bezahlte Bildschirmpausen haben Sie, wenn die Bildschirmarbeit nicht regelmäßig durch andere Arbeiten unterbrochen ist nach Bildschirmarbeitsverordnung § 5.
  • Kein Recht auf Bildschirmpausen haben Sie, wenn Sie Tätigkeitswechsel haben, die ausreichende Erholung für die Augen bieten.
  • Ein kurzes Telefonat oder ein Blick auf Arbeitsvorlagen u.ä. ist keine ausreichend erholungswirksame Unterbrechung der Bildschirmarbeit.

 

Kurzinfo 3: Wann und wie lange soll ich Bildschirmpausen machen?

  • Den größten Effekt für die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit haben Kurzpausen von ca. 10 Minuten pro Stunde.
  • Länger als 2 Stunden sollten Sie keinesfalls ununterbrochen vor dem Bildschirm sitzen.
  • Zwei Arbeitsunterbrechungen können Sie zu einer etwas längeren Pause (15 bis 20 Minuten) zusammenfassen.
  • Die Arbeitsunterbrechungen sollten nicht an den Beginn oder das Ende der Arbeitszeit gelegt werden, der Erholungseffekt entfällt dann.
  • Ebenso wenig sinnvoll wäre es, sie mit den unbezahlten Erholungspausen zusammenzufassen.
  • Je nach Tätigkeit ist eine starre oder flexiblere Pausenregelung sinnvoll. Wenn Sie vorwiegend mit Dateneingaben beschäftigt sind, können Sie feste Zeiten einplanen Bei komplexen Aufgaben, die sich nicht leicht unterbrechen lassen, ist eine flexiblere Handhabung nötig.
  • Überlassen Sie Pausenzeiten nicht dem Zufall, sondern planen Sie die Arbeitsunterbrechungen systematisch ein. Erfahrungen zeigen, dass die Pausen erst genommen werden, wenn bereits Ermüdung eingetreten ist. Zweck ist jedoch das Vorbeugen.
  •  Evtl. ist für Ihr Unternehmen Näheres zu Bildschirmpausen in einer Betriebs- oder Dienstvereinbarung geregelt.

 

Kurzinfo 4: Wofür kann ich die Bildschirmpausen sinnvoll nutzen?

  • Gezielte Bewegungs-, Entspannungs- oder Augenübungen – mindestens jedoch mal aufstehen, sich ein wenig bewegen, aus dem Fenster schauen,
  • Gang zur Kantine, Kaffeeküche, Pausenecke etc.
  • Mal ein persönliches Gespräch führen, ein informelles „Schwätzchen“ halten oder einen Erfahrungsaustausch mit Kollegen/Kolleginnen machen – das kommt auch dem Betriebsklima zugute.

Was Sie in der Bildschirmpause nicht machen sollten: Mails lesen und verschicken oder im Internet surfen, das bringt Ihnen keine Erholung für Ihren von der Bildschirmarbeit geplagten Kopf.

 

Wie schaffe ich es, regelmäßig Pausen einzulegen?

 

Reflexion: Was hat mich eigentlich bisher daran gehindert, Bildschirmpausen zu machen?

  • Oft sind die Umstände in unserem Unternehmen oder in unserer Abteilung nicht gerade förderlich dafür, dass wir Bildschirmpausen machen.
  • Wir haben zuviel Arbeit und Zeitdruck.
  • Andere machen auch keine Bildschirmpausen.
  • Kollegen/Kolleginnen und Vorgesetzte haben (vermutlich) kein Verständnis.
  • Es gibt keine Pausen- und Vertretungsregelung für unser Team.
  • usw.

Weitere Hemmnisse liegen darin, 

  • dass wir vielleicht selbst zu hohe Ansprüche an die eigene Arbeit haben – wir wollen unsere Aufgaben vollständig, gut und rasch erledigen,
  • dass es nicht einfach ist, unsere alten Gewohnheiten und Verhaltensweisen zu ändern,
  • dass wir zum Glück (noch) keine gesundheitlichen Beschwerden haben oder nicht wollen, dass andere unsere Beschwerden bemerken.

 

Tipp 1: Wie kann ich damit anfangen, Bildschirmpausen zu machen?

Wenn wir einen guten Vorsatz verwirklichen wollen, brauchen wir zunächst ein klares Ziel, von dem wir selbst auch überzeugt sind. Wir müssen wissen, wozu wir etwas wollen, welches Interesse uns dabei leitet und welche Rechte wir haben.  

Hierzu brauchen wir ausreichende Informationen.  

  • Beschaffen Sie sich Informationen, z.B. aus ergo-online. Erkundigen Sie sich, ob es in Ihrem Unternehmen betriebliche Regelungen zu Bildschirmpausen gibt beim Betriebs- oder Personalrat.
  • Stellen Sie sich die Fragen, welche Vor- und Nachteile Sie davon erwarten, Bildschirmpausen zu machen.
  • Sind die erwarteten Nachteile durch Kurzpausen so schwerwiegend, dass Sie dafür Ihre Gesundheit aufs Spiel setzen wollen?  

Die "Gretchenfrage" lautet also: Wie wichtig ist mir meine Gesundheit?  

Wenn wir uns bewusst für den Erhalt unserer Gesundheit und Leistungsfähigkeit entscheiden, hilft es uns wenig, „widrige Umstände“ oder andere Personen dafür verantwortlich zu machen, dass wir keine Bildschirmpausen machen. Unsere Arbeitshilfe "Bildschirmpausen machen" hilft Ihnen, Bildschirmpausen zu planen.

Übernehmen Sie also Verantwortung, für das was Sie selbst beeinflussen können und zeigen Sie sich selbst und anderen, dass Sie diese Verantwortung wahrnehmen. Fangen Sie heute damit an!

Wir sind natürlich in erster Linie für unser eigenes Verhalten selbst verantwortlich. Aber auch die Umstände, unter denen wir arbeiten, die Arbeitsbedingungen, können wir ein Stück weit beeinflussen. Dazu sind allerdings Gespräche mit Vorgesetzten und Kooperation mit Kollegen/Kolleginnen erforderlich. Der ergo-online-Tipp "Arbeit selbst besser gestalten - was kann ich tun?" hilft Ihnen dabei.

 

Tipp 2: Wann kann ich Bildschirmpausen selbständig machen, wann muss ich mich absprechen?

  • Am einfachsten können Sie die Bildschirmarbeit nach eigener Einteilung unterbrechen, wenn Sie bei Ihrer Arbeit nicht sehr auf die Zusammenarbeit mit anderen angewiesen sind. Abhängig davon, ob Sie in einem Einzel-, Gruppen- oder Großraumbüro sitzen, fallen Sie mit den Pausen mehr oder weniger auf.
  • Ist Ihre Arbeit in hohem Maße teamgebunden und/oder durch Kontakte mit Kunden, Lieferanten oder anderen Personen geprägt, dann müssen Sie sich mit den Vorgesetzten und den Kollegen/Kolleginnen abstimmen. Regen Sie an, eine gemeinsame Pausen- und Vertretungsregelung zu erarbeiten.

 

Tipp 3: Was hilft mir, das eigene Verhalten zu ändern?

Alte Gewohnheiten abzulegen und das eigene Verhalten zu ändern, erfordert neben einer bewussten Entscheidung auch stetiges Training und Übung. Zur Erleichterung hier einige Empfehlungen: 

  • Überlegen Sie, was Sie bislang daran gehindert hat, Pausen zu machen und was Sie künftig dabei fördern kann.
  • Eine realistische Arbeits- und Zeitplanung unterstützt sie dabei, die Pausen systematisch einzuplanen und nicht dem Zufall zu überlassen.
  • Verschiedene Hilfsmittel können Sie zur Erinnerung an die Pausen einsetzen.

Oft hilft es uns, wenn wir wichtige Dinge aufschreiben und "im Auge behalten". Beispielsweise kann Sie ein gut sichtbarer Selbstklebezettel am Bildschirm oder die Frage "Schon Pause gemacht?" auf einem Papier auf dem Arbeitstisch oder an einer Pinwand Sie an die Pausenzeiten erinnern.

Je nach Gegebenheit im Büro können Sie auch eine Sanduhr oder einen Wecker zur Erinnerung benutzen.

Spezielle Software zur Erinnerung an Bildschirmpausen ist z. T. sogar kostenlos erhältlich. Einzelne Programme bieten auch Bewegungs- oder Augenübungen an.

  • Führen Sie ein "Selbstcontrolling" ein, beobachten Sie Ihr Pausenverhalten bewusst und haken Sie auf Ihrem Zeitplan eingelegte Pausen ab. Das zeigt, wo Sie stehen und verdeutlicht Ihren Erfolg.
  • Verfolgen Sie Ihre Fortschritte und belohnen Sie sich für eingelegte Pausen mit einem "Bonbon", einer Kleinigkeit, die Ihnen Freude macht.
  • Verzeihen Sie sich "Rückfälle" und bestrafen Sie sich nicht. Halten Sie an Ihrem Vorsatz, Pausen einzulegen, fest und bedenken Sie, dass eine nachhaltige Verhaltensänderung oft in vielen kleinen Schritten erfolgt.
  • Überlegen, was Sie verbessern können und welche zusätzliche Unterstützung Sie benötigen, damit Sie leichter Ihre Pausen machen können. Sprechen Sie darüber mit Vorgesetzten und KollegInnen.
  • Gibt es in Ihrer Abteilung "vorbildliche" Kollegen oder Kolleginnen, die bereits Bildschirmpausen machen? Fragen Sie nach ihren Erfahrungen, nach Anregungen und Tipps.

 

Tipp 4: Wie kann ich Verbündete gewinnen?

Wenn Sie bei Ihren Kollegen/Kolleginnen Verständnis, Unterstützung oder „Mitstreiter“ finden, haben Sie es zweifellos einfacher, Pausen zu machen. Ein Stück weit können Sie sich gezielt Unterstützung organisieren. 

  • Geben Sie Informationen über Bildschirmpausen an Vorgesetzte und Kollegen/Kolleginnen weiter. Sprechen Sie mit Ihnen über die Bereitschaft, sich gegenseitig an die Pausen zu erinnern und über Möglichkeiten, eine gemeinsame Pausen- und Vertretungsregelung zu finden.
  • Fragen Sie Ihren Vorgesetzten nach einer Unterweisung zu Bildschirmpausen für Ihre Abteilung oder Ihr Team. Ziehen Sie bei Bedarf auch den Betriebs- oder Personalrat, den Betriebsarzt/die Betriebsärztin, die Fachkraft für Arbeitssicherheit und den Sicherheitsbeauftragten zu Rate.
  • Überlegen Sie gemeinsam, welche Veränderungen evtl. in der Arbeitsorganisation hilfreich oder notwendig sind, um Pausen besser realisieren zu können.
  • Machen Sie selbst Vorschläge für eine Pausenregelung und stellen Sie diese zur Diskussion.
  • Eventuell können Sie sich sogar auf eine gemeinsame Durchführung von kurzen Bewegungs- und/oder Entspannungsübungen einigen.
  • Sollten Sie zunächst auch niemandem zum Mitmachen gewinnen, so haben Sie zumindest für das Thema Bildschirmpausen sensibilisiert.
  • Vielleicht können Sie Kollegen/Kolleginnen später zum Mitmachen animieren, wenn Sie Ihre eigenen Erfahrungen und Erfolge mit Bildschirmpausen mitteilen.

     

      Diese Arbeitshilfe hilft Ihnen, Bildschirmpausen selbst zu organisieren und Probleme bei der Organisation anzugehen und zu beseitigen.

       

      Letzte Änderung: 19.3.2004

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