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Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Das Arbeitsanalyse-Verfahren BEBA

Autor: Andreas Pohlandt

Überblick

  • Mit dem Verfahren BEBA wird der im Arbeitsschutzgesetz und in der Bildschirmarbeitsverordnung geforderten Analyse der psychischen Belastungen am Arbeitsplatz Rechnung getragen.
  • Es bringt in erster Linie Mängel in der Aufgaben- und Organisationsgestaltung zum Vorschein.
  • Durch dieses Analyse-Instrument können leistungsvermindernde und gesundheitsbeeinträchtigende Belastungsfaktoren aufgedeckt werden.
  • Es werden zudem auch Zusammenhänge zu wirtschaftlichen und sozialen Problemen im Unternehmen verdeutlicht und Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen gegeben.

Viele Erfahrungen aus Wissenschaft und betrieblicher Praxis belegen einen Zusammenhang zwischen Gesundheitsförderlichkeit und Wirtschaftlichkeit bei der Büroarbeit.

Bild 43_ Leute am Bildschirm

Diese beiden Unternehmensziele hängen eng zusammen, denn nur gesunde, zufriedene und motivierte Mitarbeiter sind auf Dauer leistungsbereit, kreativ und zuverlässig.

BEBA bedeutet psychische Belastungen bei Büroarbeit

Mit dem Verfahren können leistungsvermindernde und gesundheitsbeeinträchtigende Belastungsfaktoren aufgedeckt werden. Zusammenhänge zu wirtschaftlichen und sozialen Problemen im Unternehmen werden verdeutlicht und Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen gegeben.

Wo entstehen Belastungen?

In der computerunterstützen Büroarbeit bestimmen vor allem die Arbeitsumgebung, Arbeitsplatzausstattung, Hardware, Software, Arbeitsaufgaben und Arbeitsorganisation die Belastungssituation für den Arbeitenden. Eine menschengerechte Gestaltung dieser Faktoren bewirkt positive Effekte (z.B. Anregung, Wohlbefinden, Übungseffekte, Ausbau von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten). 

Mängel in der Gestaltung dagegen beeinträchtigen das körperliche und psychische Wohlbefinden und führen langfristig zu Erkrankungen und zum Abbau von Leistungsvoraussetzungen. 

Belastungsfaktoren

Mitarbeiter mit Kenntnissen,
Fähigkeiten und Fertigkeiten

Belastungsfolgen
  • Hardware & Arbeitsplatz- Umgebung
  • Software & Dialog
  • Arbeitsaufgaben & Arbeitsorganisation

Bild 43_ Frau am PC

  • körperlich/ psychisch
  • erwünscht/ unerwünscht
  • kurzfristig/ langfristig

Wie können Belastungsfaktoren erkannt werden?
  • Mängel in der Gestaltung von Arbeitsumgebung, Arbeitsplatz- und Hardwareausstattung können mit Ergonomie-Checklisten analysiert werden. Sie haben in der Regel körperliche Beschwerden zur Folge. Deshalb ist auch der Einsatz von Beschwerdelisten ratsam.
  • Defizite in der Gestaltung von Software werden mit softwareergonomischen Verfahren sinnvoll untersucht.
  • Eine Untersuchung der Arbeitsplätze mit BEBA bringt in erster Linie Mängel in der Aufgaben- und Organisationsgestaltung zum Vorschein.

 Um alle Bereiche von Belastungsquellen abzudecken, ist ein kombinierter Einsatz von BEBA mit hardware- und softwareergonomischen Verfahren zu empfehlen.

Wie wirken Mängel in der Aufgaben- und Organisationsgestaltung?

Mängel in der Aufgaben- und Organisationsgestaltung wirken eher psychisch auf den Beschäftigten ein und äußern sich in Befindlichkeitsstörungen, Stress und Arbeitsunlust bis hin zu psychosomatischen und psychischen Erkrankungen sowie damit verknüpften Fehlzeiten. Für das Unternehmen bedeutet das nicht selten erhebliche wirtschaftliche und soziale Probleme. 

Folgende wirtschaftliche und soziale Probleme können Auswirkungen von unzureichend gestalteter Arbeit sein:

  • Klagen der Mitarbeiter über Belastungen und körperliche Beschwerden am Arbeitsplatz
  • schlechtes Betriebsklima, Mobbing, Suchtverhalten
  • Kompetenzgerangel, Abstimmungsverluste, Doppelarbeit
  • Mangel an Flexibilität und Kreativität der Mitarbeiter
  • Ausfälle durch Fehlzeiten, Krankenstand, Fluktuation
  • Ausschuss, Nacharbeit, Reklamationen
  • Nichteinhaltung von Terminen innerhalb des Betriebes und gegenüber dem Kunden
  • viele Überstunden, zeitlicher und materieller Zusatzaufwand
  • lange Durchlaufzeiten

Was leistet BEBA?

Gesundheitliche Beschwerden, Motivations- und Qualitätsprobleme sind häufig Ausdruck von kritischen psychischen Belastungen durch mangelnde Aufgaben- und Organisationsgestaltung. Mit dem vorliegenden Instrumentarium können unerwünschte Belastungen am Arbeitsplatz analysiert und abgebaut werden.

Prüflisten für den Einsatz durch die Mitarbeiter ermitteln die Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz wie z.B. unangemessene Aufgaben- und Verantwortungsverteilung, mangelnden Qualifikationseinsatz, Störungen im Arbeitsablauf, bei Kooperation und Kommunikation oder Nichteinhaltung von Pausen. Erweitert wird die Erhebung mit einer Prüfliste zu Belastungsfaktoren, die aus der Techniknutzung resultieren können, sowie mit einer Erfassung körperlicher und psychischer gesundheitlicher Beschwerden. Damit kann die Belastungssituation am Arbeitsplatz umfassend beschrieben werden.

Eine Prüfliste für Vorgesetzte dient der Erhebung von wirtschaftlichen und sozialen Problemen, die möglicherweise mit Mängeln in der Aufgaben- und Organisationsgestaltung im Zusammenhang stehen.

Bild 45_ Absprache damit BEBA funktioniert
Bild 1: Skizze BEBA-Verfahren

Bei der Auswertung werden die Daten in verschiedenen Übersichten dargestellt, um das komplexe Wirken der Belastungsfaktoren zu verdeutlichen und die Ableitung dringenden Gestaltungsbedarfes zu erleichtern. 

Ein Verfahrensteil mit Gestaltungsempfehlungen macht mit wissenschaftlichen Erkenntnissen der Arbeitsgestaltung vertraut und enthält viele praktische Anleitungen für die betriebliche Umsetzung. 

Mit dem Einsatz des Verfahrens BEBA wird gleichzeitig der im Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und in der Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV) enthaltenen Forderung nach einer Analyse der psychischen Belastungen am Arbeitsplatz Rechnung getragen. Die Arbeitsblätter des Verfahrens sind so gestaltet, dass sie sich zur Dokumentation von Maßnahmen zur gesundheitsförderlichen Arbeitsgestaltung eignen.

Vorgehensweise beim Einsatz von BEBA

Erhebung von Belastungsquellen aus Sicht der Mitarbeiter
  • Information der Mitarbeiter über die Durchführung einer Analyse psychischer Belastungen
  • Datenschutz gewährleisten
  • Auslegen der Broschüre BEBA...Informationen für Mitarbeiter
  • Austeilen der BEBA...Prüflisten für Mitarbeiter (Teile I, II und III)
  • nach Frist (max. 1 Woche) einsammeln
  • Zusichern einer baldigen abteilungsbezogenen Ergebnisrückmeldung

Erhebung wirtschaftlicher und sozialer Probleme im Unternehmen aus Sicht der Vorgesetzten
  • Austeilen der BEBA...Prüfliste für Vorgesetzte
  • nach Frist (max. 1 Woche) einsammeln

Auswertung der erhobenen Daten und Ableitung von Umgestaltungsmaßnahmen
  • Auswertung unter Nutzung der bereitgestellten BEBA...Auswertungsübersichten
  • Aushängen der Ergebnisse zur allgemeinen Bekanntmachung
  • Rückmeldung und Diskussion der Ergebnisse in Mitarbeiterversammlungen
  • Entwickeln von Gestaltungsvorschlägen mit Hilfe von BEBA...Empfehlungen zur Aufgaben- und Organisationsgestaltung
  • Entwickeln und Entwerfen von Umgestaltungsmaßnahmen in Projektgruppen
  • Umsetzen der Maßnahmen und Erfolgskontrolle

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen 

Gesetze und Verordnungen
  • Arbeitsschutzgesetz (ArbschG)
    • § 3 Grundpflichten des Arbeitgebers
    • § 5 Beurteilung der Arbeitsbedingungen
    • § 6 Dokumentation
  • Bildschirmarbeitsverordnung
    • § 3 Beurteilung der Arbeitsbedingungen

Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 650: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung, Verwaltungs-Berufsgenossenschaft

Normen
  • DIN EN ISO 9241: Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten bzw. neu: Ergonomie der Mensch-System-Interaktion

Projekt BEBA

Das Analyseverfahren BEBA wurde entwickelt im Rahmen des Projektes "Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit an Bildschirmen auf der Basis internationaler Normen und Standards" (SANUS), gefördert vom BMBF Projektträger "Arbeit und Technik"

Adresse

Dr. rer. nat. Andreas Pohlandt 
Tel. 0351 46 33 63 10
Fax 0351 46 33 35 89

Technische Universität Dresden
Institut für Psychologie 1
Mommsenstr. 13
D-01062 Dresden 
Internet: http://www.psychologie.tu-dresden.de

Literatur

 Das SANUS - Handbuch: Bildschirmarbeit EU-konform  

Ein Verbundprojekt des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie
Wirtschaftsverlag NW, Verlag für neue Wissenschaft GmbH, Bremerhaven 1997

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Letzte Änderung: 23.06.2006

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  • Dr. rer. nat. Andreas Pohlandt, Technische Universität Dresden


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