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Expertenwissen
KABA - Ein Verfahren zur Analyse von psychischen Belastungen

Autor: Martin Resch

Übersicht    

  • Das KABA-Verfahren ist eine arbeitspsychologische Methode zur Analyse von psychischen Belastungen im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) und der Bildschirmarbeitsverordnung (BildschArbV).
  • Es stellt eine Kombination aus Beobachtung und Befragung dar.
  • Arbeitsaufgaben werden anhand von acht Humankriterien eingestuft.
  • KABA liefert sofort Gestaltungsvorschläge.
  • KABA-Kriterien können auch in Form von moderierten Gruppenanalysen erhoben werden.

Merkmale des KABA-Verfahrens

Das KABA-Verfahren ist

  • geeignet für die Analyse und Bewertung von Arbeitsaufgaben in Büros und Verwaltungen,
  • es ermöglicht eine vorausschauende Arbeitsgestaltung,
  • branchenübergreifend in Klein-, Mittel- und Großbetrieben einsetzbar,
  • praxisnah konzipiert und
  • liefert Gestaltungshinweise für den Zuschnitt von Arbeitsaufgaben.

Das KABA-Verfahren wurde in der Entwicklungsphase an zirka 200 Arbeitsplätzen erprobt. Dabei ergab sich eine hohe Messgenauigkeit.

Mit der KABA-Methode wird eine bedingungsbezogene Analyse durchgeführt. Dies bedeutet, dass sich diese auf die Frage richtet, inwieweit die Arbeitsbedingungen den Kriterien einer menschengerechten Arbeitsgestaltung entsprechen. Die Personen, die die jeweils untersuchten Arbeitsaufgaben durchführen, werden weder analysiert noch bewertet. Ergebnis ist ein Profil des Arbeitsplatzes und der Arbeitsaufgaben. Die Erhebungsmethode ist das Beobachtungsinterview, d.h. die für die Bewertung der Arbeitsaufgabe erforderlichen Informationen werden von dem Untersucher im Dialog mit dem/der Mitarbeiter/-in während der Beobachtung der Arbeitstätigkeit erhoben. Ergänzt wird dieses durch Gespräche mit betrieblichen Experten.

Die acht Humankriterien   

Das KABA-Verfahren arbeitet mit arbeitspsychologischen Bewertungsmaßstäben, die wir Humankriterien nennen. Zur Bewertung der Arbeitsaufgaben werden folgende Humankriterien erhoben:

1. Entscheidungsspielraum

Erfasst wird das Ausmaß, in dem die Arbeitsaufgabe eigenständige Planungen und Entscheidungen bezüglich Arbeitsablauf, Arbeitsergebnis, verwendeter Informationen und Arbeitsmittel ermöglicht.

2. Kommunikation

Gefragt wird danach, in welchem Maße die Aufgabendurchführung die Abstimmung mit anderen (internen und/oder externen) Personen erfordert.

3. Zeitspielraum

Es wird beurteilt, inwieweit eine Arbeitsaufgabe zeitliche Spielräume bietet und welche zeitlichen Vorgaben bei der Erledigung der Arbeitsaufgabe gestellt sind.

4. Auftragsvielfalt /Abwechslung

Dieses Kriterium erfasst, wie unterschiedlich die Arbeitsaufträge einer Arbeitsaufgabe sind.  

5. Informationszugang

Bei diesem Humankriterium geht es darum, ob bei der Arbeitsaufgabe Informationen über unterschiedliche Sinneskanäle aufgenommen und bearbeitet werden können und müssen.

6. Körperliche Aktivität

Ferner soll beurteilt werden, inwieweit die Durchführung der Arbeitsaufgabe unterschiedliche Bewegungen und Körperhaltungen erlaubt und erfordert.

7. Durchschaubarkeit

Gefragt wird danach, inwieweit die eine Arbeitsaufgabe umgebenden Bedingungen (d.h. wesentlich der Zusammenhang mit anderen Arbeitsaufgaben anderer Personen) bekannt sind. Es wird ermittelt, inwieweit der/die MitarbeiterIn erkennen kann, welchen Beitrag seine/ihre Tätigkeit zur Gesamtfunktion des Systems leistet.

8. Regulationsbehinderungen (Belastungen)

Belastungen entstehen, wenn die Aufgabenerfüllung durch betriebliche Bedingungen behindert wird oder wenn die Arbeitsbedingungen so gestaltet sind, dass die menschliche Regulationsfähigkeit überfordert wird (z.B. durch Lärm, Vibrationen usw.). Auch software-ergonomische Mängel werden hier ermittelt.

 

KABA-Humankriterien

Bild 1: Darstellung der KABA-Humankriterien         

Für die ersten sieben Humankriterien können Mindestanforderungen definiert werden. Sofern diese Mindestanforderungen unterschritten werden, besteht aus arbeitspsychologischer Sicht für die untersuchte Arbeitsaufgabe entweder eingeschränkter oder sogar erheblicher Gestaltungsbedarf (vgl. Abb.1).

In ausführlicher Weise werden aufgabenbezogene Belastungen analysiert. Typische Belastungen sind:

  • Wichtige Informationen erreichen den Arbeitsplatz nur unvollständig oder zu spät.
  • Unverzichtbare Arbeitsmittel sind unzuverlässig, z. B. ist der Kopierer häufig defekt, die EDV-Anlage bricht regelmäßig zusammen usw.
  • Ständig wird die Arbeit durch Telefonanrufe oder hereinkommende Personen gestört; das Wiedereinarbeiten in die gerade unterbrochene Tätigkeit erfordert viel Zeit.
  • Die Software ist nicht aufgabenangemessen oder zwingt bei der Bearbeitung zu umständlichen Lösungswegen.
  • Anweisungen der Vorgesetzten sind widersprüchlich; dadurch entsteht zusätzlicher Mehraufwand.
  • Es herrscht Zeitdruck oder die Arbeitsbedingungen sind monoton.
  • Ungünstige Umgebungsbedingungen wie Lärm, ergonomisch schlecht gestaltete Arbeitsmittel oder Räumlichkeiten erschweren die Arbeit.

Vorgehensweise zur Analyse psychischer Belastungen

Für den Einsatz in Gefährdungsbeurteilungen nach dem ArbSchG und der BildschArbV ist das KABA-Verfahren in einer Kurzform einsetzbar. Unter Beibehaltung der Logik des ausführlichen Verfahrens wurden in der Kurzform KABA-K die Skalen für die acht Humankriterien deutlich vereinfacht. In der betrieblichen Auswertung werden nur die Ergebnisse dargestellt, aus denen sich unmittelbarer Handlungsbedarf ergibt (Gestaltungshinweise, vgl. Abs. 4). Nach dem ArbSchG brauchen gleichartige Arbeitsplätze nur einmal untersucht zu werden. Eine Typisierung der Arbeitsplätze verringert den Aufwand für Gefährdungsanalysen insbesondere hinsichtlich der psychischen Belastungen auf ein auch ökonomisch vertretbares Maß.

Aufgrund der vorgenommenen Vereinfachung des KABA-K-Verfahrens besteht die Möglichkeut, innerbetriebliche Teams zu schulen, die eine Analyse psychischer Belastungen vornehmen. Der Einsatz von Kollegen ist nicht immer unproblematisch. Wichtig sind sehr konkrete Regelungen über Rechte und Pflichten des Analyseteams. Es gibt eine Reihe sehr guter betrieblicher Erfahrungen mit diesem Konzept.

Der KABA-Verfahren zur Analyse psychischer Belastungen lässt sich auch in moderierten Analysegruppen vermitteln. Die Belastungsanalyse wird unter Anleitung eines Moderators von den Beschäftigten selbst durchgeführt. Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dass die geforderte Beteiligung der Beschäftigten schon durch die Wahl der Analysemethode gegeben ist. Die Analysegruppe kann dann in einem weiteren betrieblich abgesicherten Weg zu einer Veränderungsgruppe in der Art von Gesundheits- und Qualitätszirkeln werden. Allerdings weisen moderierte Analysegruppen auch einige Nachteile auf: so ist etwa die Beurteilung von Umgebungsbelastungen und der ergonomischen Gestaltung der Arbeitsplätze deutlich erschwert.
Maßnahmen zum Abbau psychischer Belastungen            

Als Ergebnis der Arbeitsplatzanalyse werden die psychischen Belastungen zunächst als Gestaltungsmängel der Arbeitsaufgabe benannt. Zu jedem Gestaltungsdefizit werden Gestaltungsvorschläge entwickelt. Oft lassen sich sowohl technische (bessere Formulare, Änderungen der Software-Einstellungen) als auch organisatorische Lösungen (bessere Absprachen, andere Zuordnung von Kompetenzen usw.) finden.

Die entwickelten Gestaltungsvorschläge bewertet in einem ersten Schritt die untersuchte Person nach Dringlichkeit anhand einer sechsstufigen Skala.

Ein Beispiel für Gestaltungsvorschläge enthält die folgende Abbildung: 

Mängel Gestaltungsvorschlag  Bewertung durch den/die Mitarbeiter/-in
Mit der verwendeten Software können die benötigten Listenausdrucke nicht erstellt werden. Softwareanpassung zur Sicherung der Aufgabenange-
messenheit

sehr
wichtig

wichtig

relativ
wichtig

weniger
wichtig

un-
wichtig

uner-
wünscht

Der Kommunikations-
fluss in der Abteilung ist schlecht 
Regelmäßige Abteilungsbesprechungen einführen

sehr
wichtig

wichtig

relativ
wichtig

weniger
wichtig

un-
wichtig

uner-
wünscht

Der in der EDV angegebene Bestand stimmt nicht aufgrund falscher oder versäumter Buchung in Produktion oder Wareneingang. Gemeinsame Arbeitsgruppen zur Verbesserung der Zusammenarbeit und/oder Verbesserung der Lagerorganisation, z.B. durch mehr Personal. 

sehr
wichtig

wichtig

relativ
wichtig

weniger
wichtig

un-
wichtig

uner-
wünscht

  
Die Ergebnisse der Arbeitsplatzanalysen werden dann einer Auswertungskommission vorgestellt. Diese entscheidet über die einzelnen Gestaltungsvorschläge und stellt eine Dringlichkeitsliste auf. Sie legt die zuständigen Personen und/oder Abteilungen fest und handelt konkrete Termine aus, zu denen die festgestellten Gestaltungsmängel beseitigt werden müssen. 

Ablauf einer Arbeitsplatzanalyse

Bild 2: Ablauf einer Arbeitsplatzanalyse nach der BildschArbV

 

    Der Servicebereich

    Rechtsquellen und Normen 

    Gesetze und Verordnungen
    • Arbeitsschutzgesetz (ArbschG)
      • § 3 Grundpflichten des Arbeitgebers
      • § 5 Beurteilung der Arbeitsbedingungen
      • § 6 Dokumentation
    • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)
      • § 3 Beurteilung der Arbeitsbedingungen

    Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen
    • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 650: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung, Verwaltungs-Berufsgenossenschaft

    Normen
    • DIN EN ISO 9241: Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten bzw. neu: Ergonomie der Mensch-System-Interaktion

    KABA-Verfahren

     
    Ergebnis eines Forschungsprojektes der Technischen Universität Berlin, gefördert mit den Mitteln des Bundesministeriums für Forschung und Technologie im Rahmen des Projektträgers "Arbeit und Technik"

    Ansprechpartner für den Einsatz von KABA in der Gefährdungsbeurteilung:
     
    Dr. Martin Resch
    Freschenhausener Weg 35
    21220 Seevetal/Maschen
    Tel. 04105 85150
    www.dr-martin-resch.de
    eMail: martin.resch@t-online.de
     
    CARO Computer-Arbeit-Organisation Dienstleistungsgesellschaft mbH
    Eimsbütteler Str. 16
    22769 Hamburg
    Tel.  040 432 900 09
    Fax  040 439 82 96
    www.caro-gmbh.de

       
    Literatur

    Das KABA-Verfahren. Handbuch und Manual
    Zürich (Verlag der Fachvereine) 1993

    Resch, Martin:
    Analyse psychischer Belastungen. Verfahren und ihre Anwendung im Arbeits- und Gesundheitsschutz
    Bern, Göttingen (Verlag Hans Huber) 2003
     

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    Letzte Änderung: 04.08.2005

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