ergo online
Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Betrieblicher Gesundheitsbericht

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht

  • Ein betrieblicher Gesundheitsbericht soll Auskunft geben über den Gesundheitszustand der Belegschaft und Belastungsschwerpunkte im Unternehmen.Diese Bestandsaufnahme erleichtert es, zielgerichtet Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung zu ergreifen.
  • Dabei ist der Datenschutz einzuhalten.
  • Als Informationsquelle sind besonders die Analysen von Arbeitsunfähigkeitsdaten der Krankenkassen geeignet.
  • Die Aussagekraft eines Gesundheitsberichts erhöht sich, wenn weitere Unternehmensdaten und solche der Berufsgenossenschaft hinzugezogen werden.
  • Anzustreben ist die Entwicklung eines kontinuierlichen Berichtswesens.

Betriebliche Gesundheitsförderung sollte durch eine fundierte Analyse der Ausgangssituation vorbereitet werden. Ein betrieblicher Gesundheitsbericht kann Entscheidungsträgern und Experten/Expertinnen gezielte Informationen über Krankheiten in der Belegschaft und über Belastungen sowie Gesundheitsgefährdungen im Betrieb bieten.

Systematischer Beginn mit einer Bestandsaufnahme

Krankenkassen analysieren betriebliche Krankenstände

Als Standardinstrument haben sich inzwischen vielfach die Arbeitsunfähigkeitsanalysen der Krankenkassen eingebürgert. Dazu werden die Häufigkeit und Verteilung gemeldeter Krankheitsfälle im Betrieb, ihre Dauer und die dazugehörige Krankheitsdiagnose ausgewertet. Die Betriebskrankenkasse bspw. verknüpft diese Zahlen mit Unternehmensdaten über die Art des Arbeitsplatzes (Arbeitsbereich/ Kostenstelle), an dem ein Beschäftigter tätig ist.

Mit diesen Informationen lassen sich erste Auffälligkeiten im betrieblichen Krankheitsgeschehen ermitteln. Vergleiche der Arbeitsunfähigkeitszeiten und der häufigsten Krankheitsarten mit Durchschnittswerten der Branche sowie betriebsintern zwischen verschiedenen Tätigkeitsbereichen erlauben es, "Problemzonen" herauszufiltern, die als Ausgangspunkt gesundheitsbezogener Aktivitäten im Betrieb dienen können.

Datenschutz

Bei den Analysen, wie sie bspw. die Betriebskrankenkassen oder die AOK durchführen, wird der Datenschutz strikt beachtet, und Rückschlüsse auf einzelne Beschäftigte sind nicht möglich. Es werden nur Ergebnisse für Gruppen von mindestens 50 Personen ausgewiesen.


Bild 3: Auswertung der AU-Daten (Quelle: AOK-Projektgruppe "Betriebliche Gesundheitsförderung", Foliensatz und Leitfaden, o.J.)
Preiswerte und zuverlässige Informationsquelle 

Die Routinedaten der Krankenkassen stellen eine zuverlässige und flächendeckende Informationsquelle dar, da ihnen alle Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, die Dauer der Krankschreibung und die Krankheitsdiagnosen zugrunde liegen. Nur in den Fällen, wo ein Unternehmen bis zum dritten Tag der Arbeitsunfähigkeit auf eine ärztliche Bescheinigung verzichtet, sind die Angaben nicht ganz vollständig.

Es ist zudem eine preiswerte Informationsquelle, denn die Daten liegen bereits vor, und etliche Krankenkassen haben ihre Analyse und Interpretation inzwischen professionalisiert. Diese Auswertungen können von den Unternehmen angefragt werden. Oft tragen sie zur Versachlichung der betrieblichen Krankenstandsdiskussion bei.

Häufig sind mehrere Kassen betroffen   

Durch die freie Kassenwahl sind für die Auswertung der Daten Hürden entstanden. Die Beschäftigten sind oft bei verschiedenen Kassen versichert. Deshalb sind bei den Vorüberlegungen folgende Fragen zu berücksichtigen

  • Bei welchen Krankenkassen sind die Beschäftigten versichert?
  • Welches ist/sind die Krankenkassen mit den meisten Versicherten?
  • Gibt es zwischen den Krankenkassen ein Abkommen für eine gemeinsame Auswertung der Arbeitsunfähigkeitsdaten? Wer übernimmt die Federführung?

Zusammenführung möglichst vieler Informationen


Um den Gesundheitszustand einer Belegschaft angemessen zu erfassen, ist die Analyse der Arbeitsunfähigkeitsdaten allein nicht ausreichend. Die Gesundheit der Beschäftigten kann beeinträchtigt sein, obwohl sie weiterhin zur Arbeit kommen. Hinweise auf Arbeitsbereiche mit hohen Krankenständen lassen noch nicht erkennen, welche Belastungsfaktoren dafür ausschlaggebend sind usw. Deshalb ist es nützlich möglichst viele Informationen zusammenzuführen.



Bild 4: Zusammenführung der Daten.
BKK = Betriebskrankenkasse,  BG = Berufsgenossenschaft
(Quelle: BKK-Bundesverband / Kooperationsprojekt Arbeit und Gesundheit: von der Datenanalyse zur gesundheitsgerechten Arbeitsgestaltung, Köln 1997) 

Weitere Informationsquellen

 
Für eine betriebliche Gesundheitsberichterstattung lassen sich als weitere Instrumente nutzen bspw. 
  • Erkenntnisse des Arbeitsschutzausschusses
  • Ergebnisse von Arbeitsplatzanalysen und GefährdungsbeurteilungenErkenntnisse der Schwerbehindertenvertretung
  • Arbeitsplatzbeschreibungen
  • Ergebnisse betriebsärztlicher Untersuchungen
  • vorhandene Messprotokolle z.B. Lärm- und Klimamessungen
  • Erkenntnisse von Berufsgenossenschaften
  • Gefahrstoffkataster
  • Zahlen zur Fluktuation und über Absentismus
  • Fehlerraten, Arbeitsrückstände
  • Erkenntnisse aus Betriebsbegehungen und Arbeitsplatzbeobachtungen

Beschäftigte einbeziehen   

 
Gerade unter präventiven Aspekten ist es sinnvoll, durch Mitarbeiterbefragungen Gesundheitsbeschwerden und als belastend empfundene Arbeitsbedingungen zu erfassen. Die von Krankenkassen erstellten Analysen stellen ein Hilfsmittel zur genaueren Problemerkundung dar, aber noch keine Lösung. Dazu sind feinere Analyseschritte notwendig, wie sie bspw. ein Gesundheitszirkel leistet.

Kontinuierliches Berichtswesen entwickeln

 
Die Daten sollten regelmäßig erfasst und ausgewertet werden, um den Gesundheitsbericht z.B. jährlich fortzuschreiben. Er dient dem Arbeitskreis Gesundheit als Entscheidungsgrundlage und Basis für eine kontinuierliche Bewertung der betrieblichen Gesundheitspolitik. Im Rahmen eines langfristigen Controllings ist es auch sinnvoll die betrieblicherseits bereitgestellten Ressourcen für die betriebliche Gesundheitsförderung und die im jeweiligen Berichtsjahr erfolgten Investitionen in die Gesundheit der Beschäftigten zu berücksichtigen.

Kleinbetriebe   

Als besonderen Service gerade auch für kleinere Firmen mit mindestens 20 AOK-Versicherten bietet bspw. die AOK interessierten Betrieben kostenlos Kurzinformationen über die gesundheitliche Situation ihrer Beschäftigten an. Dieses sogenannten AU-Profil (Arbeitsunfähigkeitsprofil) gibt Auskunft über den Krankenstand, die Arbeitsunfähigkeitsquote, d.h. den Anteil der Beschäftigten an der Gesamtbelegschaft, die im Berichtsjahr mindestens einmal krankgeschrieben waren, sowie die Anzahl der Fehltage.

Die Unternehmen erfahren auch, wie sie hinsichtlich dieser Parameter im Vergleich zur Branche, zu den übrigen Betrieben in der Region und im Bundesland abschneiden. Für größere Betriebe mit mehr als 50 AOK-Mitgliedern werden außerdem die häufigsten Krankheiten der Beschäftigten genannt. Aus Gründen des Datenschutzes ist das bei kleineren Firmen nicht möglich.

Handlungsmöglichkeiten für Betriebsräte   

Betriebs- und Personalräte sollten darauf drängen, dass für einen betrieblichen Gesundheitsbericht möglichst viele Informationsquellen genutzt werden, denn das erhöht seine Aussagekraft. Außerdem ist auf die Einhaltung des Datenschutzes zu achten.

Der Servicebereich

Literatur   

Zum Einlesen:

Bernhard Badura/Thomas Hehlmann:
Betriebliche Gesundheitspolitik,
Berlin, Heidelberg, New York (Springer-Verlag) 2003
 
IG Metall (Hrsg):
Gesundheit schützen und fördern. Handlungshilfe zur betrieblichen Gesundheitsförderung,
Frankfurt/M. 2003. Bestelladresse unter www.igmetall.de

 
Zum Vertiefen:

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.):
Gesundheitsbericht und  Gesundheitszirkel. Forschungsbericht FB 827,
Dortmund, Berlin 2002, im Internet unter http://www.baua.de

Wolfgang Bödeker:
Eignung von Arbeitsunfähigkeitsdaten zur Beschreibung des Erkrankungsgeschehens,
in: IGA (Initiative Gesundheit & Arbeit) aktuell, Ausgabe 2/2002, im Internet unter www.iga-info.de.

Kooperationsprogramm Arbeit und Gesundheit/ Bundesverband der Betriebskrankenkassen/ Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften:
Von der Datenanalyse zur gesundheitsgerechten Arbeitsgestaltung
Köln 1997

Verwandte Themen   

Letzte Änderung: 21.6.2004

Logo Ergo Online
© 2016 Beratungsstelle für Technologiefolgen und Qualifizierung (BTQ Kassel)

Literaturtipps
  • Bundesanstalt für Arbeitsschutz
    und Arbeitsmedizin:
    Gesundheitsbericht und  Gesundheitszirkel
    Dortmund, Berlin 2002 


mehr

Weiterlesen im www
  •  

 im Sozialnetz Hessen

Verwandte Themen
Inhaltsverzeichnis