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Expertenwissen
Gesundheitszirkel: Verschiedene Modelle

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

In den letzten Jahren haben sich Projektgruppen auch auf den Bereich des betrieblichen Gesundheitsschutzes ausgedehnt. Dabei wurden zwei unterschiedliche Modelle für Gesundheitszirkel entwickelt und praktisch erprobt. Darauf aufbauend gibt es inzwischen verschiedene Mischformen. Je nach thematischer Ausrichtung haben sich teilweise zusätzliche Bezeichnungen wie Ergonomie-, Betriebsklima- oder Arbeitszufriedenheitszirkel eingebürgert.

Das Berliner Modell   

Eine Forschungsgruppe der Technischen Universität Berlin führte in VW Werken Gesundheitszirkel im Rahmen eines Humanisierungsprojektes durch. Zielgruppe waren Meister, da sie an der Schnittstelle zwischen Beschäftigten und Management als besonders anfällig für psychosozialen Stress gelte
Das Konzept läs sich folgendermaßen beschreiben:   
 
Berliner Modell 
  1. Eine Kleingruppe von zehn bis zwölf Personen,
  2. die alle einer Hierarchiestufe angehören, 
  3. kommt über einen begrenzten Zeitaum von acht bis zwölf Sitzungen zusammen, 
  4. unter der Leitung eines externen Moderators oder einer Moderatorin, 
  5. um sich über Stressbelastungen und Bewältigungsstrategien auszutauschen und 
  6. ein neues Bewältigungsverhalten beim Umgang mit Stress zu entwickeln.
 
Über einen Kontaktausschuss oder eine Projektgruppe ist der Zirkel mit der Betriebsorganisation verbunden.

Das Düsseldorfer Modell

Der Ansatz wurde am Institut für Medizinische Soziologie der Universität Düsseldorf entwickelt. Unter der Leitung von Dr. Wolfgang Slesina fanden die ersten Gesundheitszirkel in einem Stahlwerk statt.

Folgende Arbeitsweise wurde gewählt: 

Düsseldorfer Modell

  1. Eine gemischte Kleingruppe von Beschäftigten, Meister, Sicherheitsfachkraft, BetriebsratBetriebsarzt und Betriebsleiter
  2. trifft sich über einen begrenzten Zeitraum etwa acht bis zehnmal;
  3. die Beschäftigten werden von ihren Kollegen/Kolleginnnen gewählt, und
  4. unter der Leitung eines geschulten externen Moderators
  5. sollen sämtliche Arbeitsbedingungen, die die Beschäftigten als gesundheitlich beeinträchtigend erleben - (von Zugluft, über Zwangshaltungen bis zu psychischen Belastungen durch Zeitdruck oder Ärger mit Vorgesetzten) ermittelt werden und
  6. Verbesserungsvorschläge durch technische, organisatorische, ergonomische, personenbezogene usw. Maßnahmen entwickelt werden.
 
Die Existenz eines Arbeitskreises Gesundheit oder einer Projektsteuergruppe verknüpft den Gesundheitszirkel mit der Unternehmensorganisation.
 

Grundmodelle nicht "überstülpen"

 
In der Praxis gibt es eine Vielfalt verwandter Modelle. Die "Urtypen" von Gesundheitszirkeln haben sich teilweise angenähert. Die zugrunde liegende Problemstellung und die betrieblichen Rahmenbedingungen müssen bei der Wahl des Konzeptes berücksichtigt werden. 

 

Der Servicebereich

Literatur
 

Zum Einlesen:
 
Kahn, Attiya:
Betriebliche Gesundheitsförderug in Kindertagesstätten. Überprüfung der Eignung eines Gesundheitszirkels in einem Pilotprojekt.
Dissertation an der Technischen Universität Dresden 2005

Alfons Schröer/ Reinhold Sochert:
Gesundheitszirkel im Betrieb. Modelle und praktische Durchführung
Wiesbaden (Universum-Verlag) 1997
 
Fricewski, F./ Görres, H.-J.:
Arbeit mit Gesundheitszirkeln in den Projekten des AOK-Landesverbandes Niedersachsen
In: Westermayer, G. / Bähr, B. (Hg): Betriebliche Gesundheitszirkel
Göttingen (Hogrefe Verlag) 1994
 
Slesina, W.:
Gesundheitszirkel: Der "Düsseldorfer Ansatz",
ebenda
 

Zum Vertiefen:

Slesina, W.:
Evaluation von Gesundheitszirkeln,
in: Badura, B./ Litsch, M./ Vetter, C.: Fehlzeiten-Report 2000,
Berlin, Heidelberg (Springer-Verlag) 2001
 
 
Bücher und Broschüren zur Betrieblichen Gesundheitsförderung 


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Letzte Änderung: 28.9.2006

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Literaturtipps
  • Slesina, W.: Gesundheitszirkel: Der "Düsseldorfer Ansatz"
    in: Westermayer/Bär 1994


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