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Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Technischer Nichtraucherschutz

Autorin: Regine Rundnagel

Übersicht

  • Rauchverbote sind der wirksamste Nichtraucherschutz.
  • Raucherkabinen sorgen für weitgende Filterung der Gefahrstoffe des Tabakrauchs.
  • In der Nähe der Arbeitsräume ermöglichen sie eine schnelle Raucherpause.
  • Sie müssen zertifiziert sein, um eine sichere Wirkung zu garantieren.
  • Die Berufsgenossenschaften sehen mit solchen Kabinen das gesetzliche Ziel des Nichtraucherschutzes rechtssicher umgesetzt.

Keine Grenzwerte für krebserregende Stoffe

Eine normale Raumlüftung reicht nicht, um Nichtraucher zu schützen. Für krebserregende Stoffe des Tabakrauchs, so das Deutsche Krebsforschungszentrum können keine gesundheitsbasierten Grenzwerte angegeben werden. Danach kann nicht angegeben werden, ab wieviel passivgerauchten Zigaretten die Gesundheit in Gefahr ist. Hinzu kommt, dass Tabakrauchpartikel nicht mit herkömmlichem Feinstaub verwechselt werden dürfen. Durch den Anteil an Feuchtigkeit benetzen sie dadurch Oberflächen und selbst bei sehr guter Entlüftung sind dann immer noch genügend Substanzen im Raum, von denen ein Krebsrisiko ausgehen kann.

Das Zentrum steht deshalb dem technischer Nichtraucherschutz durch allgemeine Raumlüftungsanlagen skeptisch gegenüber.  

Der beste Nichtraucherschutz ist nun mal das Rauchverbot. Aber wohin mit den Rauchenden? Auch sie haben ein Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit.

Zertifizierung der Raucherkabinen 

Die Industrie bietet Raucherkabinen an. Hier wird durch Entlüftungssystem der Tabakrauch abgesaugt und anschließend gefiltert, gereinigt und entgiftet. Die Hersteller geben an, dass alle schädlichen Stoffe des Tabakrauchs wie etwa die TVOC (Flüchtige Kohlenwasserstoffe), Formaldehyd, Kohlenmonoxid, Nikotin, Feinstaub usw. erfasst werden.

Das Berufsgenossenschaftlichen Instituts für Arbeitsschutz (BGIA) hat die Wirkung verschiedener Bautypen getestet und Prüfrichtlinien mit objektiven Beurteilungskriterien entwickelt, mit denen Raucherkabinen zertifiziert  werden können.

Unternehmen können ihre Produkte freiwillig nach diesen Grundsätzen des GS-BGIA M 14 testen lassen und erhalten nach bestandener Prüfung des BG-PRÜFZERT-Zeichen.

Das BGIA geht davon aus, dass technischer Schutz der Nichtraucher vor Tabakrauch möglich ist, eine Filterung ist zu 99 % möglich. Es kommt dabei entscheidend auf die Lüftungsführung der Kabinen an, bei geprüften Nichtraucherschutzsystemen ist größtmögliche Sicherheit gegeben, kein Schadstoff verlässt laut BGIA die Kabine.

Eine Positivliste des BGIA wird veröffentlicht und aus dieser Positivliste können Unternehmen entnehmen, welche Systeme dem aktuellen Stand der Technik entsprechen und die Prüfanforderungen an Nichtraucherschutzsysteme sicher einhalten. Das schafft Rechtssicherheit bei der Kaufentscheidung.

Erfolgreich geprüfte Systeme sind in ihrer Wirkungsweise Raucherräumen überlegen, deren Abluft z.B. beim Türöffnen nicht kontrolliert ist, die Raum- und Reinigungskosten verursachen und vorhandene Lüftungssysteme und Klimaanlagen verunreinigen.

Wollte man eine solchermaßen effektive Raumlüftung installieren, wäre es allerdings nur mit großem technischem Aufwand realisierbar.

Die Prüfung erfolgt an neuen Raucherkabinen, die Langzeitstabilität der Filtersysteme wird nicht erfasst. Die regelmäßige Wartung sollte deshalb gesichert werden.

Festlegung der Grenzwerte

Die Qualität der Raucherkabinen macht sich z. B. daran fest, wie der Zigarettenrauch effektiv erfasst wird, ob die feinen und ultrafeinen Partikel vollständig im Filtersystem abgeschieden werden und ob die gasförmigen Gefahrstoffe wie Kohlenmonoxid, Ammoniak oder Formaldehyd mit verschiedenen Absorptionsmaterialien ausreichend herausgefiltert werden.

Die angewendeten Grenzwerte orientieren sich an der Gefahrstoffkonzentration, die in einer Studie in Büros gemessen werden, also an der durchschnittlichen Innenraumluftqualität von Büroräumen und so an der ohnehin vorhandenen Belastung. Das messtechnisch sinnvoll Machbare war ebenfalls eine Maßgabe der Grenzwertfestlegungen, nicht alle der Tausende von Einzelsubstanzen wurden berücksichtigt, allerdings die bedeutsamen Leitkomponenten wie TVOC (total volatile organic compounds) für leichtflüchtige organische Inhaltsstoffe wie Benzol.

Grenzwerte der geprüften Stoffe in Nichtraucherschutzsystemen

  • Feinstaub/Partikel: < 3000/qm (Mittelwert)
  • TVOC : < 0,10 mg/qm
  • Nikotin: < Bestimmungsgrenze
  • Formaldehyd: < 0,028 mg/qm
  • Acetaldehyd: < 0,020 mg/qm
  • Kohlenmonoxid: < 1,5 ml/qm (Mittelwert)  

Die Außenluft in Großstädten enthält deutlich mehr Feinstaubpartikel. Die Empfehlungen des Umweltbundesamtes für Innenraumluftqualität werden unterschritten.

Angebot der Hersteller

Die Kabinen gibt es als rundum geschlossene Varianten, mit der Möglichkeit das Arbeitszeiterfassungssystem zu bedienen oder auch barrierefrei. In der Regel werden die Kabinen geleast und damit wird eine regelmäßige Wartung und der rechtzeitige Filterwechsel sichergestellt.

 

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen

Gesetze und Verordnungen
  • Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)
    • § 5 Nichtraucherschutz

Literatur

T. von der Heyden, M. Alker:
Technischer Nichtraucherschutz in Innenräumen.
in: Gefahrstoffe - Reinhaltung der Luft Nr.3 hg. vom BGIA, März 2008

 

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Letzte Änderung: 23.11.2008

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Rechtsquellen
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