ergo online
Arbeit im Büro gesund gestalten

 Kurs
Mitmischen, einmischen - Arbeit mitgestalten

Autorin: Michaela Böhm

       

Im Kapitel „Mitmischen, einmischen – Arbeit mitgestalten“ des Grundkurses Büroalltag geht es darum, welche Rechte Beschäftigte haben, was sie selbst tun können, um ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu erhalten und wer sie dabei unterstützen kann.

 

Übersicht: 

  • Mitmischen, einmischen 
  • Verantwortliche ansprechen 
  • Sich beim Betriebs-/ Personalrat informieren 
  • Was der Betriebs-/ Personalrat tun kann 
  • Das Recht auf Beschwerde, die Pflicht zur Mängelmeldung
  • Das Recht auf Unterweisung
  • Unterstützung suchen
  • Überlastungsanzeige

Mitmischen, einmischen

Die Zeiten, als der Vorgesetzte dem einzelnen Arbeitnehmer Anweisungen erteilt hatte und Schritt für Schritt kontrollierte, ob die auch umgesetzt wurden, gehören in vielen Unternehmen der Vergangenheit an. Von Beschäftigten wird zunehmend Eigeninitiative verlangt. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, es also nicht zu Überforderung kommt und kein andauernder Zeit- und Leistungsdruck herrscht, kommt diese Form der Arbeitsorganisation,  Beschäftigten entgegen. Solche Handlungsspielräume ermöglichen es auch, Stress zu vermeiden. Insofern ist es naheliegend, dass sich Beschäftigte auch um ihre eigenen Arbeitsbedingungen kümmern. Sich einmischen, mitentscheiden, wenn es darum geht, wie Arbeitsabläufe verändert, Büros eingerichtet und Arbeit organisiert werden kann, schafft eine höhere Zufriedenheit, als sich mit vorgegebenen Arbeitsbedingungen abzufinden.

Für den Arbeitgeber hat das Vorteile: Beschäftigte, die beteiligt werden, arbeiten produktiver, steigern die Qualität der Arbeit, erweitern ihre Kompetenz und leiden seltener unter Befindlichkeitsstörungen. Das kommt auch den Beschäftigten zu Gute. Wer sich einmischt, hat nicht nur gute Chancen auf mehr Zufriedenheit. Arbeitsbedingungen mit zu beeinflussen, heißt auch, selbst etwas tun, um sich vor Überlastung zu schützen, Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Verantwortliche ansprechen

Jemand muss in einem fensterlosen, winzigen Büro arbeiten, im Sommer steigen die Temperaturen über 30 Grad Celcius, die Bürostühle lassen sich nicht ausreichend in der Höhe verstellen oder Vollzeitkräfte sollen ohne Pause durcharbeiten. Ist das erlaubt?

Verantwortlich für die Gestaltung der Arbeitsbedingungen ist die Führungskraft. Vorgesetzte haben hier gesetzliche Pflichten und sorgen im Auftrag des Arbeitgebers in ihrem Zuständigkeitsbereich für gesundheitszuträgliche und sichere Arbeitsbedingungen. Im Ernstfall sind sie auch haftbar.

Der Vorgesetzte ist damit der erste Ansprechpartner bei unerträglichen Arbeitsbedingungen. Nur kann es sein, dass es nicht immer so einfach ist, mit ihm darüber zu sprechen.

Sich beim Betriebs-/ Personalrat informieren

Grund genug, um sich beim Betriebs- oder Personalrat schlau zu machen. Betriebsräte gibt es in der Privatwirtschaft, Personalräte im öffentlichen Dienst. Beschäftigte dürfen Betriebs- und Personalräte während der Arbeitszeit aufsuchen, um sich zu informieren, das Tarifrecht oder die Rechte im Gesundheitsschutz erläutern zu lassen oder weil es Konflikte im Betrieb gibt. Jeder darf hingehen, allein oder zu mehreren. So oft und so lange es nötig ist. Den Grund muss man nicht nennen. Nur abmelden muss man sich beim Vorgesetzten. Der Arbeitgeber darf das Gehalt für diese Zeit nicht kürzen. In dringenden Fällen kann der Betriebs-/ Personalrat sofort und unabhängig von Sprechzeiten aufgesucht werden.

Was der Betriebsrat-/ Personalrat tun kann

Der Betriebsrat oder der Personalrat ist Anlaufstelle für Anregungen von Beschäftigten. Er ist verpflichtet, sich damit zu befassen. Hier können Beschäftigte auch Beschwerden loswerden.

Es ist in einem solchen Fall sinnvoll, dass sich ein Mitglied des Betriebs- und Personalrates über die Sachlage vor Ort informiert und die Mängel an die Verantwortlichen weiterleitet. Der Betriebs-/ Personalrat kann beim Arbeitgeber auf eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen nach den Vorgaben des Arbeitsschutzgesetzes drängen. Danach müssen Gefährdungen und Belastungen bei der Arbeit  - auch psychischer Art - etwa durch überlange Arbeitszeiten oder hohen Arbeitsdruck, ermittelt und minimiert werden und zwar mit dem Ziel, arbeitsbedingte Erkrankungen vorzubeugen.

Recht auf Beschwerde, Pflicht zur Mängelmeldung

Grundsätzlich hat jeder Beschäftigte das Recht, sich bei den zuständigen Stellen des Betriebs zu beschweren, wenn er sich vom Arbeitgeber oder von Arbeitskollegen benachteiligt, ungerecht behandelt oder in sonstiger Weise beeinträchtigt fühlt.

Beispiele für das Beschwerderecht:

  • Ungleichbehandlung 
  • schlechte Arbeitsbedingungen 
  • Belästigung durch Rauchen 
  • sexuelle Belästigung 
  • Mobbing 
  • ausländerfeindliche Äußerungen

Die „zuständigen Stellen“ können der direkte Vorgesetzte sein oder – falls er es ist, über den sich der Beschäftigte beschweren will – die nächsthöhere Führungsebene. In Betrieben mit einer gewählten Interessenvertretung kann sich der Beschäftigte nur oder zusätzlich dorthin wenden. Dem Arbeitnehmer dürfen aus der Beschwerde keine Nachteile entstehen.

Beschäftigte haben sogar eine Pflicht zur Unterstützung des Vorgesetzten, Mängel im Arbeits- und Gesundheitsschutz müssen gemeldet werden, so steht es im Arbeitsschutzgesetz. Es kann sich um defekte Beleuchtung handeln oder um hohe Arbeitsüberlastung. Es ist eine Voraussetzung, dass das betriebliche System des Gesundheitsschutzes funktioniert.

Werden auch auf mehrfache Beschwerde hin gravierende,konkret fassbare Gesundheitsgefährdungen von den Verantwortlichen im Betrieb nicht abgestellt, darf ein Beschäftigter – so sieht es das Arbeitsschutzgesetz im § 17 ausdrücklich vor, die Aufsichtsbehörden kontaktieren. Nachteile dürfen ihm nicht entstehen. Vor solch einem Schritt sollte allerdings immer der Betriebs- und Personalrat eingeschaltet werden, sofern es ihn gibt.

Bild 1: Aktive Beteiligung, Verbesserungsvorschläge durch Beschäftigte. (Bild: Chiarina Fazio, Rechte: ergo-online)

Das Recht auf Unterweisung

Nur wer weiß, welche Gefährdungen bei der Arbeit auftreten können und welche Belastungen auf Dauer die Gesundheit gefährden können, kann sich gesundheitsgerecht verhalten und sich für gute Arbeitsbedingungen einsetzen.

Deshalb gehört es zu den gesetzlichen Pflichten im Betrieb, dass die Verantwortlichen die Beschäftigte darüber informieren. Diese Pflicht zur Unterweisung umfasst Sicherheitsfragen, das reicht von Stolperstellen über Fragen der ergonomischen Einrichtung des Arbeitsplatzes bis hin zu Stressfaktoren.

Die Unterweisung ist ein wichtiger Baustein im Gesundheitsschutz und gehört zur Fürsorgepflicht des Arbeitgebers. Unabhängig von der Position des Beschäftigten, selbst wenn jemand ein Praktikum absolviert. Die Beschäftigten haben allerdings auch die Pflicht, sich an die Arbeitsschutzanweisungen des Arbeitsgebers zu halten.

Unterstützung suchen

Abteilungen sind chronisch unterbesetzt, Abhilfe ist nicht in Sicht. Noch mehr und länger arbeiten, an freien Tagen in den Betrieb kommen und Arbeit auch zu Hause erledigen, ist keine gute Idee. Wer durch Überlastung gesundheitliche Beschwerden hat und um seine Gesundheit und Leistungsfähigkeit fürchtet, sollte sich unbedingt Unterstützung suchen.

Ansprechbar sind

  1. der direkte Vorgesetzte, die Personalabteilung
  2. Betriebs-/ Personalräte
  3. der Betriebsarzt oder -ärztin
  4. die Fachkraft für Arbeitssicherheit 
  5. der/die Sicherheitsbeauftragte

Betriebsärzte unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht, das kann helfen im Vertrauen über Probleme bei der Arbeit zu sprechen. Es empfiehlt sich, den Vorgesetzten über einen Termin beim Betriebsarzt zu informieren.

In manchen Betrieben gibt es weitere Ansprechpartner, etwa Konflikt- oder Mobbingbeauftragter, Integrationsmanager, Beauftragte für Betriebliches Eingliederungsmanagement, psychologische Ersthelfer, betriebliche Sozialbetreuung oder externe Betreuungsdienste.

Wirksamer als die Initiative eines Einzelnen kann es sein, wenn sich ein Team zusammenschließt und sich gemeinsam auf ein Vorgehen verständigt.

Überlastungsanzeige

Weil Stellen unbesetzt blieben, mussten Ärzte auf einer Kinderintensivstation Dauer-Schichten leisten. Oft ohne Pause und oft, ohne die Ruhezeiten einzuhalten. Die Qualität der medizinischen Versorgung kann gefährdet sein. Das gleiche gilt, wenn wegen Krankheit zu wenige Erzieherinnen eine große Kindergruppe beaufsichtigen. Immer wenn Dritte durch Überlastung des Personals gefährdet sind oder Sachschäden zu befürchten sind, ist das ein klarer Fall für eine Überlastungsanzeige.

Eine Überlastungsanzeige ist also dann angesagt, wenn durch Unterbesetzung, schlechte Personaleinsatzplanung oder andauernde Mehrarbeit Beschäftigte an die Grenzen ihrer Leistungs- und Belastungsfähigkeit kommen. Und sie dann riskieren, Fehler zu machen.

Damit zeigen Beschäftigte ihrem Arbeitgeber oder dem Vorgesetzten ebenso, dass ihre eigene Gesundheit oder Sicherheit gefährdet ist.

Zu einer Überlastungs- oder Gefährdungsanzeige sind Arbeitnehmer per Arbeitsvertrag und nach § 15 und 16 Arbeitsschutzgesetz verpflichtet. Sie schützen sich damit selbst vor strafrechtlichen, arbeitsrechtlichen oder zivilrechtlichen Konsequenzen. Und entlasten sich von möglichen Haftungsansprüchen, wenn sie die Überlastungsanzeige unverzüglich erstattet haben.

Am Sinnvollsten ist es, wenn sich mehrere Beschäftigte zusammentun und gemeinsam eine Überlastungsanzeige stellen.

Ein geregeltes Verfahren zum Umgang mit den Überlastungsanzeigen sollte im Betrieb vorhanden sein. Dazu gehören eine Bestätigung des Eingangs und die Prüfung der Arbeitssituation. 

 

Letzte Änderung: 4.11.2013

Logo Ergo Online
© 2016 Beratungsstelle für Technologiefolgen und Qualifizierung (BTQ Kassel)

ergo-online®
powered by
BW | BTQ
mehr
Inhaltsverzeichnis
Verwandte Themen
Sponsor

Der Artikel wurde gefördert von

   

Industriegewerkschaft Metall

ver.di Bildung und Beratung gGmbH

 

ver.di Initiative