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Grundwissen
Sicherheitsbeauftragte

Autorin: Regine Rundnagel


Sicherheitsbeauftragte sind freiwillige Helfer, die sich in einem Unternehmensbereich um die Arbeitssicherheit kümmern. Sie brauchen keine spezielle Ausbildung für ihre Aufgabe, eine mehrtägige Schulung reicht aus.
Für Schnellleser/innen:
Sicherheitsbeauftragte sind Teil der Organisation des Arbeitsschutzes im Betrieb. Ihre Aufgabe ist es, sicherheitstechnische Mängel zu erkennen und darauf hinzuweisen. Sie achten darauf, dass Schutzeinrichtungen in Ordnung sind, informieren Kolleg/innen über den sicheren Umgang mit Geräten und Maschinen, Werkzeugen und Arbeitsstoffen, nehmen Anregungen entgegen, kümmern sich um neue Mitarbeiter/innen und einiges mehr.


  • Fachliche Grundlagen
  • Rechtliche Grundlagen

Fachliche Grundlagen

Sicherheitsbeauftragte als Helfer im Arbeitsschutz

Sicherheitsbeauftragte sind Mitarbeiter/innen auf Abteilungs- oder Bereichsebene, die sich in einen konkreten Unternehmensbereich um die Arbeitssicherheit kümmern. Sie sind freiwillige Helfer, sie beraten und unterstützen Führungskräfte und den Unternehmer im Arbeitsschutz.

Sie haben keine unmittelbare Weisungsbefugnis gegenüber Beschäftigten und übernehmen keine Verantwortung im juristischen Sinne.

Die Sicherheitsbeauftragten dürfen wegen der ihnen übertragenen Aufgaben nicht benachteiligt werden.

Aufgaben der Sicherheitsbeauftragten

Ihre Aufgaben resultieren aus § 22 VII. Sozialgesetzbuch (SGB) „Gesetzliche Unfallversicherung“ und der DGUV Vorschrift 1. Sie sollen sich insbesondere davon überzeugen, dass es die vorgeschriebenen Schutzeinrichtungen und persönlichen Schutzausrüstungen gibt und diese benutzbar sind. Des Weiteren sollen sie auf Unfall- und Gesundheitsgefahren für die Versicherten (Beschäftigte) aufmerksam machen.

Die Sicherheitsbeauftragten haben den Unternehmer oder ihren Vorgesetzten bei der Durchführung der Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten zu unterstützen.
Aufgaben der Sicherheitsbeauftragten:
  • beraten und helfen von „Kollege zu Kollege“,
  • erkennen sicherheitstechnische Probleme und Mängel (Beobachten),
  • wirken auf deren Beseitigung hin (Hinweisen),
  • melden Mängel an den Vorgesetzten (Melden und Kooperieren),
  • sind vor Ort Ansprechpartner für alle Fragen des Arbeitsschutzes,
  • achten auf den Zustand der Schutzeinrichtungen und deren Benutzung,
  • informieren die Kollegen und Kolleginnen über den sicheren Umgang mit Geräten, Maschinen, Werkzeugen, Arbeitsstoffen (Beispiel geben)
  • geben Anstöße zu Verbesserungen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes (Teilnehmen),
  • nehmen Anregungen entgegen und kümmern sich um ihre Prüfung,
  • kümmern sich um neue Mitarbeiter/innen
  • nehmen an Begehungen und Unfalluntersuchungen teil.

In einem Bürobetrieb kümmert sich der oder die Sicherheitsbeauftragte zum Beispiel darum, ob die Elektrogeräte geprüft sind und sich in ordnungsgemäßem Zustand befinden oder ob als Aufstiegshilfen Tritte genutzt werden. Sicherheitsbeauftragten fallen überlastete Regale auf, und Probleme mit dem Blendschutz meldet er an den Verantwortlichen.

Sicherheitsbeauftragte nehmen an Begehungen der Arbeitsstätte in ihrem Bereich teil und an Unfalluntersuchungen. Es ist nicht ihre Aufgaben, Sicherheitsmängel abzustellen, es sei denn sie sind dazu befähigt und kompetent.

Anzahl und Bestellung

Der Arbeitgeber muss Sicherheitsbeauftragte (SiB oder SB) bestellen, wenn er regelmäßig mehr als 20 Arbeitnehmer beschäftigt, also ab dem 21. Beschäftigten. Bei weniger als 20 Beschäftigten kann durch den Unfallversicherungsträger, etwa die Berufsgenossenschaft, eine Bestellung angeordnet werden, wenn im Unternehmen besondere Gefahren für Leben und Gesundheit der Beschäftigten bestehen. Selbstverständlich kann ein kleineres Unternehmen auch von sich aus Sicherheitsbeauftragte bestellen.

Eine genaue Zahl der Sicherheitsbeauftragten ist nicht mehr vorgeschrieben, ihre Zahl wird nach den Erfordernissen eines Betriebes bestimmt. Die DGUV Vorschrift 1 zeigt fünf Kriterien, nach denen im Betrieb die Anzahl bestimmt werden muss:
Kriterien für die Berechnung der Anzahl der Sicherheitsbeauftragten
  • 1. Im Unternehmen bestehende Unfall- und Gesundheitsgefahren;
  • 2. Räumliche Nähe der zuständigen Sicherheitsbeauftragten zu den Beschäftigten;
  • 3. Zeitliche Nähe der zuständigen Sicherheitsbeauftragten zu den Beschäftigten;
  • 4. Fachliche Nähe der zuständigen Sicherheitsbeauftragten zu den Beschäftigten;
  • 5. Anzahl der Beschäftigten.
Kriterien für die Bestimmung der Zahl
Das Gefährdungspotenzial der verschiedenen Bereiche des Betriebes ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung (1. Gesundheitsgefahren). Sicherheitsbeauftragte müssen grundsätzlich im gleichen Arbeitsbereich wie die Beschäftigten tätig sein (2. räumliche Nähe). Das bedeutet, dass in jeder Filiale oder in jeder Kindertagesstätte Sicherheitsbeauftragte benannt werden müssen. Auch muss in jeder Schicht ein Sicherheitsbeauftragter arbeiten (3. zeitliche Nähe).

Die Sicherheitsbeauftragten müssen die gleichen Tätigkeiten ausüben wie andere Beschäftigte in ihrem Arbeitsbereich (4. fachliche Nähe). Sie müssen die Mitarbeiterstruktur kennen und auch ihre Sprache. Das bedeutet, dass Vorgesetzte keine Sicherheitsbeauftragte sein können. Zu dieser Anforderung gehört auch, dass sie die Gefährdungsbeurteilung ihres Bereichs kennen müssen. Denn nur so können sie die möglichen Gefährdungen richtig einschätzen.

Eine angemessene Anzahl der Sicherheitsbeauftragten ist dann gegeben, wenn die Arbeitnehmerzahl, für die sie in ihrem im Arbeitsbereich zuständig sind, so groß ist, dass sie die Beschäftigten noch persönlich kennen können.

Anhand dieser Kriterien legt der Arbeitgeber selbstverantwortlich die Anzahl und jeweiligen Personen fest. Die Unfallversicherungsträger bieten Leitfäden mit Praxisbeispielen zur Berechnung der Anzahl der Sicherheitsbeauftragte an.

Eine förmliche Bestellung mit Benennung des Zuständigkeitsbereichs und der Aufgaben ist notwendig. Daran sollten der Vorgesetzte und die Fachkraft für Arbeitssicherheit mitwirken. Interessenvertretungen müssen der Bestellung zustimmen, der Gesetzestext fordert die Beteiligung des Betriebsrates (gilt auch für Personalräte).

Fachkunde und Eignung

Sicherheitsbeauftragte sollten entsprechend ihrer Bereitschaft und persönlicher Eignung ausgewählt werden. Sie benötigen im Gegensatz zu Fachkräften für Arbeitssicherheit und Betriebsärzten keine spezielle Fachkunde oder Ausbildung zur Ausübung ihrer Tätigkeit. Aber erst durch eine Schulung bei der Berufsgenossenschaft und einer entsprechenden Entlastung bei seiner Haupttätigkeit wird der Sicherheitsbeauftragte für seine Tätigkeit befähigt. Die Kosten der Qualifizierung werden von der Berufsgenossenschaft oder den Unfallkassen getragen. Die Qualifizierung dauert drei bis fünf Tage. Sicherheitsbeauftragte sollen auch regelmäßig an Fortbildungsmaßnahmen teilnehmen.

Entscheidend für die Effektivität der Arbeit des Sicherheitsbeauftragten ist, dass er Ansehen und Vertrauen im Betrieb bei Vorgesetzten wie auch bei Kollegen/innen genießt und selbst ein Vorbild bei der Arbeitssicherheit ist.

Arbeitsschutzausschuss und Kooperation

Sicherheitsbeauftragte müssen Gelegenheit und Zeit haben, ihre Aufgaben zu erfüllen. Es muss sichergestellt werden, dass die Fachkraft für Arbeitssicherheit und der Betriebsarzt mit ihnen eng zusammenarbeiten.
Die Sicherheitsbeauftragten sind Mitglieder des Arbeitsschutzausschusses und nehmen an den Sitzungen teil.

Rechtliche Grundlagen

Rechtsquellen

Gesetze und Verordnungen
  •  Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
  • Sozialgesetzbuch SGB VII
    • § 22 Sicherheitsbeauftragte

  • Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG):
    • § 87 (1) Nr. 7 Mitbestimmung bei Regelungen über die Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten sowie über den Gesundheitsschutz im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften oder der Unfallverhütungsvorschriften (Regelung der Vorsorge, Aufgaben)
    • § 89 Arbeits- und betrieblicher Umweltschutz
    • § 99 Mitbestimmung bei personellen Einzelmaßnahmen (Bestellung intern)

  • Hessisches PersVG (HPVG):  
    • § 74 (1) Nr.3 Bestellung und Abberufung von Frauenbeauftragten, Datenschutzbeauftragten, Fachkräften für Arbeitssicherheit, Sicherheitsbeauftragten, Vertrauens- und Betriebsärzten

  •  Bundes-PersVG (BPersVG):
    • § 81 (3) (Besprechungen Sicherheitsbeauftragte)
DGUV Vorschriften, Regeln und Informationen
  • Unfallverhütungsvorschrift DGUV-Vorschrift 1: Grundsätze der Prävention
    • § 20 Bestellung und Aufgaben von Sicherheitsbeauftragten
  • DGUV-Regel 100-001: Grundsätze der Prävention (Erläuterungen)
  • DGUV Information 211-011: Arbeitsschutz will gelernt sein - ein Leitfaden für Sicherheitsbeauftragte. 2009 (früher BGI 587)
  • DGUV Information 211-021: Der Sicherheitsbeauftragte. Informationen für Unternehmer, Sicherheitsfachkräfte, Betriebsärzte, Betriebs-/ Personalräte und Sicherheitsbeauftragte. 2006 (früher GUV - I 8503)
  • • DGUV Information 211-022: Gesprächsführung für Sicherheitsbeauftragte. 2000 (früher GUV-I 8519)

Literatur
Unfallkasse Hessen: (Hrsg.):
Mehr Freiräume für Betriebe. Neue Regelung für Sicherheitsbeauftragte.
in: inform Sonderausgabe September 2014

Verwaltungs-Berufsgenossenschaft VBG (Hrsg.):
Wieviele Sicherheitsbeauftragte braucht mein Unternehmen? Hilfe zur rechnerischen Ermittlung der Anzahl von Sicherheitsbeauftragten.

Verwaltungs-Berufsgenossenschaft Hamburg 2016
DGUV (Hrsg.):
Gute Praxis der Sicherheitsbeauftragten im kaufmännischen und verwaltenden Teil von größeren Unternehmen.
Projektbericht 2013

DGUV (Hrsg.):
Leitfaden zur Ermittlung der Anzahl der Sicherheitsbeauftragten im öffentlichen Dienst.
Download unter www.DGUV.de

Verwandte Themen

  • Sicherheitstechnische Betreuung - Fachkraft für Arbeitssicherheit
  • Arbeitsmedizinische Betreuung - Betriebsarzt/Betriebsärztin
  • Arbeitsschutzgesetz
  • Arbeitssicherheitsgesetz
  • Arbeitsstättenverordnung – Übersicht über Geltungsbereiche und Inhalte
  • Arbeitsschutzausschuss
  • Arbeitgeber/Unternehmer - Verantwortung und Pflichtenübertragung

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen

Gesetze und Verordnungen
  • § 22 Sicherheitsbeauftragte
  • Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG)
    • § 87 (1) Nr.7 Mitbestimmung bei Regelungen über die Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten sowie über den Gesundheitsschutz im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften oder der Unfallverhütungsvorschriften (Regelung der Vorsorge, Aufgaben)            
    • § 89 Arbeits- und betrieblicher Umweltschutz
    • § 99 Mitbestimmung bei personellen Einzelmaßnahmen (Bestellung intern)            
  • Hessisches Personalvertretungsgesetz (HPersVG):  § 74 (1) Nr. 6, 16 und § 81 Mitbestimmungsrechte
  • Bundes-Personalvertretungsgesetz (BPersVG): § 75 (3) Nr. 11, 16 und § 81 Mitbestimmungsrechte
Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen
  • Berufsgenossenschaftliche Vorschriften BGV A1/GUV - V A1: Grundsätze der Prävention
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 587: Arbeitsschutz will gelernt sein - ein Leitfaden für Sicherheitsbeauftragte. hg. von Berufsgenossenschaft Metall Nord Süd 2009
  • GUV-Information GUV - I 8503: Der Sicherheitsbeauftragte, Bundesverband der Unfallkassen
Literatur

Literaturmarker Zum Einlesen und Vertiefen:

Gruber/Reidt:
Sicherheitsbeauftragte in der Praxis.
Bochum 2008 (Verlag Technik & Information)

Berufsgenossenschaftliche Information BGI 597-7:
Sicherheitsbeauftragte
Arbeit und Gesundheit Basics 7, Minibroschüre, hg. Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften Sankt Augustin, (Universum Verlag) Wiesbaden 2002, www.universum.de  

LiteraturmarkerBücher und Broschüren zur Organisation des Arbeitsschutzes  

Verwandte Themen

 

  • Letzte Änderung: 10.2.2017

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    Rechtsquellen

    SGB VII § 22


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    Literaturtipps

    BGI 597-7:
    Sicherheitsbeauftragte

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